Kino-Kurzkritik: „John Carter“

Taylor Kitsch als John Carter in „John Carter – Zwischen zwei Welten“. Foto: Frank Connor – © 2010 Disney Enterprises, Inc.
Taylor Kitsch als John Carter in „John Carter – Zwischen zwei Welten“. Foto: Frank Connor – © 2010 Disney Enterprises, Inc.

Der Bürgerkriegsveterane John Carter (Taylor Kitsch aus „Friday Night Lights“) wollte eigentlich nur einen Goldschatz finden und sich zur Ruhe setzen – doch plötzlich landet er auf „Barsoom“ (dem Mars) und ausgerechnet hier werden seine Talente mehr als dringend gebraucht – und der Konflikt zwischen den verschiedenen Völkern des Mars wird sogar von seltsamen Gestalten im Schatten für einen perfiden Zweck geschürt. John stellt sich als körperlich überlegen heraus (aufgrund der geringeren Schwerkraft des Mars) und muss sich entscheiden, ob er wieder für jemanden anderen einstehen will. Wobei diese Entscheidung durch die exotische Mars-Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins) versüßt werden könnte …

Das Marketing von Disney hat bei „John Carter – Zwischen zwei Welten“ ziemlichen Mist gebaut, wie ich ja schon berichtet hatte. Umso gespannter war ich, ob denn der Regisseur Andrew Stanton, der sich für zwei meiner liebsten Animationsfilme („Findet Nemo“ und „Wall-E“) zuständig zeigte, aus dem klassischen Stoff etwas gutes hinbekommen würde – oder ob auch hier Zugeständnisse an den Markt die Story komplett zerstören würden.

Woola aus „John Carter – Zwischen zwei Welten“. © 2011 Disney Enterprises, Inc.
Woola aus „John Carter – Zwischen zwei Welten“. © 2011 Disney

Meine Befürchtung trat nicht ein. „John Carter“ ist ein witziger Actionfilm, hat liebevoll gezeichnete Nebencharaktere (wir wollen alle einen dieser hundeähnlichen treuen Monster-Calots haben wie Woola) und die Geschichte ist zwar komplex, aber gut erzählt. Der Hauptdarsteller Taylor Kitsch hat nicht nur die passenden Muskeln um damit die Rollenanforderung zu erfüllen, größtenteils mit nackten Oberkörper durch den Film zu laufen, sondern hat auch darstellerisch einiges mehr drauf, als die Rolle erwartet. Und auch die Lynn Collins gelingt es ihrer Prinzessin etwas mehr zu entlocken als die Anforderung, ihren Helden anzuschmachten (worauf ich am Weltfrauentag so alles achte …).

Ja, der Film hat auch einige Probleme: zum einen ist da (leider mal wieder) das 3D zu nennen, dass für mich nachträglich aufgesetzt erschien (habe jetzt mal nicht vorher gelesen, ob es so gedreht wurde) und einfach nicht überzeugte (bisher haben mich in dieser Hinsicht aber auch nur „Avatar“ und „Hugo Cabret“ überzeugt). Und er ist sich nicht sicher, welches Zielpublikum er eigentlich haben will. Eigentlich ist der Film ein klassischer Disney-Film für die ganze Familie – hat aber ein FSK 12-Siegel, was viele Eltern immer noch abschrecken wird. Der Film hat viele Action- und Kampfszenen, es fließt auch einiges an (selten rotem) Blut und die Szenen zum Durchatmen sind bisweilen doch recht kurz angelegt. Dennoch ist dies eigentlich ein Film, der den meisten Kindern wirklich Spaß bringen wird.

Richtig danken möchte ich aber dem Drehbuchautor, der es schaffte, im Film den Satz „John Carter vom Mars – ja, das klingt besser“ unterzubringen. Er hat so recht …

„John Carter – Zwischen zwei Welten“ (USA 2012)

Regie: Andrew Stanton

Darsteller (Auswahl): Taylor KitschLynn CollinsWillem DafoeMark StrongJames Purefoy

Rollenspiel-Inspirationsfaktor? Hoch. Wer sich von „Star Wars“ zum Rollenspiel inspirieren lassen mag, der wird auch hier vieles herausziehen können.

Wie ist der Soundtrack? Nur routiniert. Nix sticht auf das erste Hören aus dem Werk von Michael Giacchino wirklich heraus.

★★★★

Bonus-Track: Eay hat die mittlerweile frei-verfügbaren Romane (Copyright ist abgelaufen) als E-Books zusammengestellt.

Ein Gedanke zu „Kino-Kurzkritik: „John Carter““

  1. Ja, Robin Laws nennt das Genre „Swords & Planets“ und wir waren uns einig, daß John Carter eigentlich _das_ Setting für HeroQuest ist.

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