Nichts gelernt aus Prometheus – Kritik: „Alien: Covenant“

Die USCSS Covenant ist ein Siedler-Schläferschiff und sollte eigentlich noch sieben Jahre unterwegs sein, als sie von einem Ionensturm hart getroffen wird. Die zu früh reaktivierte Kern-Mannschaft verliert dabei ihren Captain (Cameo von James Franco) aber stößt auch auf eine willkommene Alternative: Ein erdähnlicher Planet in einer habitablen Zone liegt nur wenige Stunden entfernt und der frischgebackene neue Captain Oram (Billy Crudrup) entschließt gegen die Einwände von der Ingenieurin Daniels (Katherine Waterston, „Fantastic Beasts and Where to Find Them“), einen Abstecher zu machen um zu schauen, ob der Planet eine tolle Alternative zur Besiedlung wäre. Doch auf dem Planeten ist es seltsam leise – bis die ersten Schreie der urplötzlich dahingemetzelten Mannschaft sie durchdringen …

ALIEN: COVENANT | Trailer 2 | German HD (2017)
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Der Prolog fehlt dem Film

„Prometheus“ hatte ein schlechtes Drehbuch, bei dem ein Charakter nach dem anderen draufging, weil sie dämliche Entscheidungen trafen, aber wundervolle Szenenausstattung und Kamerabilder. „Alien Covenant“ hat ein schlechtes Drehbuch, bei dem ein Charakter nach dem anderen draufgeht, weil sie dämliche Entscheidungen treffen, aber wundervolle Szenenausstattung und Kamerabilder. Der einzige qualitative Unterschied zwischen beiden Filmen ist also … öhm … der Verzicht auf 3D?

Michael Fassbender darf wieder Androiden spielen, bekommt aber nur wenig zu tun (Foto: 20th Century Fox)

Nein, ehrlicherweise ist das Drehbuch von Alien Covenant sogar noch schlechter. Uns werden Charaktere vorgesetzt, deren interessanten Merkmale anscheinend lediglich auf einem Charakterbogen standen – gezeigt bekommen wir sie jedenfalls nicht. Und absolut unverständlicherweise wird der bereits vor Wochen auf Youtube veröffentlichte Prolog nicht in dem Film integriert – dabei wäre er sehr wichtig um die Dynamik zwischen einigen der Charaktere besser nachvollziehen zu können. So ist der Auftritt von James Franco tatsächlich auf einen halbminütigen Video-Clip reduziert, der posthum gezeigt wird. Und andere Beziehungen zwischen der Mannschaft werden nur kurz angedeutet und aufgebaut, um dann für die weitere Entwicklung der Story keine Rolle mehr zu spielen, da die entsprechenden Charaktere ohne schnell draufgehen. Ist diese George R.R. Martin-Methode mittlerweile so en vogue?

Es ist einfach frustrierend, wie hier das wild zusammengewürfelte Team von Drehbuchautoren offenbar einfach die erprobte Schablone der Alien-Filme nehmen und … rein gar nix neues hinzufügen. So sehr ich Damon Lindelof für Prometheus gescholten habe – er hat zumindest noch interessante Figuren erschaffen.

Die obligatorische Bodyhorror-Szene in der Krankenstation (Foto: 20th Century Fox)

Kreative Sackgasse

Kann es sein, dass das Alien-Franchise einfach ausgelutscht ist? Rekapitulieren wir einmal:

„Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979)

Beitrag zum Franchise: War revolutionär und führte sowohl das damals neue Konzept des Sci-Fi-Horrors und das der einsamen Kämpferin ins Kino ein. Dazu kam die grandiose Gestaltung des Monsters durch den schweizer Künstler H.R. Giger.

Neu gelernt: Aliens sind unbesiegbare Killermaschinen, die sich über Facehugger-Eier vermehren.

„Aliens: Die Rückkehr“ (1986)

Beitrag zum Franchise: Schaffte dank James Cameron einen unterhaltsamen und spannenden Actionfilm, eben weil er nicht in die selbe Richtung wie das Original ging, dennoch musste Sigourney Weaver wieder ran.

Neu gelernt: Aliens sind nicht unbesiegbar, man sollte aber immer einen Gabelstapler dabei haben.

„Alien 3“ (1992)

Beitrag zum Franchise: War ehrlicherweise nicht mehr ganz so gut, brachte aber immerhin ein neues Setting (Gefängnis) und ein für damalige Zeiten ziemlich beeindruckendes „Space-Jesus-Ende“ (wie Jörg es treffender weise nannte) ins Franchise ein. Und Hollywood wurde auf Musikvideo-Regisseur David Fincher endlich richtig aufmerksam.

Neu gelernt: Aliens können sich auch in anderen Spezies fortpflanzen, sehen dann aber leicht anders aus. Es gibt eine Alien-Königin.

„Alien: Die Wiedergeburt“ (1997)

Beitrag zum Franchise: Ein ziemlicher Unfug, den damals nicht einmal Script-Doctor Joss Whedon retten konnte und meinte, dass wir Sigourney Weaver unbedingt beim Basketballspielen zuschauen wollten. Der Regisseur wurde schnell wieder nach Frankreich zurückgeschickt, wo er uns später aber immerhin Amelie schenken sollte, Whedon schuf auch tolles, es sei den beiden also verziehen!

Neu gelernt: Aliens können unter Wasser schwimmen.

„Aliens vs. Predator“ (2004)

Beitrag zum Franchise: Dann hatten die Jungs von Dark Horse und einen erfolgreichen Mix-Comic gemacht, in dem sie Predators auf Aliens jagten. Für die erste Verfilmung dieses Unfugs konnten sie sogar Lance Henriksen für das Franchise reaktivieren. Der Film war aber ziemliche Grütze.

Neu gelernt: Predatoren jagen gerne Aliens.

„Aliens vs. Predator 2“ (2007)

Beitrag zum Franchise: Wurde nicht besser. Ehrlicherweise erinnere ich mich kein Stück mehr an ihn.

Neu gelernt: Es gibt Predator-Aliens.

„Prometheus: Dunkle Zeichen“ (2012)

Beitrag zum Franchise: Schließlich probierte es Ridley Scott selbst wieder und inszenierte tapfer das unterirdische Drehbuch. In der Marketing-Kampagne wurde dann auch noch groß versucht zu verkaufen, dass es gar kein Alien-Film sei, sondern nur im Universum von Alien spielen würde. Dennoch folgte der Film tapfer Schema F.

Neu gelernt: Aliens wurden von einer mystischen Erschaffer-Spezies als ultimative Bio-Waffe konstruiert.

„Alien: Covenant“ (2017)

Beitrag zum Franchise: Nochmal darf Scott ran, aber das Marketing verlangte, dass der Film nicht „Prometheus 2“ heißen soll, sondern wieder Alien im Titel führen soll. Dennoch ist der Film nur eine Fortsetzung von Prometheus mit repetitiver Handlung.

Neu gelernt: Erschaffer werden gerne mal von den Enkeln ihrer Kreaturen getötet und Aliens können es auch hintenrum.

Katherine Waterston (links) darf die im Franchise mittlerweile obligatorische starke Frauenfigur übernehmen (Foto: 20th Century Fox)

Spätestens seit 1997 wurde also eigentlich der gleich Wein immer nur in neue Schläuche gefüllt und die folgende Geschichte wieder und wieder erzählt: Crew erhält einen Notruf/einen seltsamen Funkspruch, folgt diesem wieder aller Vernunft an eine isolierte Stelle, ein Landetrupp wird mit außerirdischen Organismen infiziert, einer nach den anderen wird abgemurkst, zum Schluss fliehen ein, zwei letzte Überlebene. Fertig.

Und genauso lange pilgern wir immer wieder ins Kino in der Hoffnung, dass irgendwer diesem Franchise noch etwas kreatives Neues hinzufügen könnte. Vielleicht muss man aber der Tatsache ins Auge sehen: Das Alien-Franchise ist tot! Wir haben es nur noch nicht im Weltraum beerdigt und mit Whiskey in Pappbechern angestoßen.

„Alien: Covenant“ (USA 2017)

Regie: Ridley Scott

Buch: Screenplay von John Logan und Dante Harper, Story: Jack Paglen und Michael Green, basierend auf den Charakteren von Dan O’Banno und Ronald Shusett

Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride

★★☆☆☆

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

Das könnte dich auch interessieren …

6 Antworten

  1. Reaver sagt:

    Hallo Herr Müller,

    ich teile ihre Auffassung zu dem Film Alien:Covenant, aber ihre Kritiken zu den übrigen Teilen der Alienreihe kann ich nur bedingt zustimmen!

    1.) Alien 1
    -der Film ist unbestritten gut

    2.) Alien 2
    -der Film ist optisch ein Leckerbissen, für damalige Verhältnisse, übrigens haben wir da gelernt das es eine Königin gibt und das Aliens unter Wasser schwimmen können 😉

    3.) Alien 3
    -Grütze

    4.)
    -Grütze

    5.) AvP
    -der Film war ein Meilenstein für Comicfans!!! Natürlich hatte die Story Lücken, natürlich ging man nicht besonders auf die Charactere ein….aber hallo Aliens gegen Predatoren…was will man(n) mehr?

    6.) AvP 2
    -Grütze

    7.) Prometheus
    -ein Top Film mit super Sound, toller Kulisse und eine Handlung die Lust auf den zweiten Teil gemacht hat!

    8.) Covenant
    -als Film einzeln betrachtet ok durch einen überragenden Fassbender
    -als Film im Alien Universum, absolute Grütze….lässt mehr Fragen offen als er beantwortet….entäuschend!

    Gruß Reaver

    • Ron Müller sagt:

      Hallo Reaver,

      danke für das Feedback, ich muss Aliens offenbar mal wieder anschauen. Das mit dem Meilenstein für Comicfans kann ich aber nicht so ganz nachvollziehen – es gibt soviel bessere Comic-Ideen, die man hätte verfilmen können. Und Prometheus hatte unbestreitbar einige optische Schauwerte (Sir Scott weiß halt, wie man episch filmt), aber die Handlung hat mich leider gar nicht begeistern können.

      Ich frage mich immer noch, was wohl Neill Blomkamp dem Genre hätte Neues beifügen können. Mir fällt nur leider nichts ein …

  2. Eine schöne und sehr treffende Zusammenfassung dieses Debakels seit 1992. Aber zwei Sterne für Covenant, das war dann doch noch sehr gnädig für einen spannungslosen Film mit zu vielen vorhersehbaren Ereignissen und Handlungssträngen.

    • Ron Müller sagt:

      Einen Stern vergebe ich zugegebenermaßen nur sehr selten, dabei muss an einen Film rein gar nichts stimmen (wie bspw. bei „Suicide Squad“). „Alien Covenant“ hat zumindest noch ein paar wenige gute Sachen: Sir Scott kann nach wie vor tolle Bilder einfangen (was bei Neuseeland auch nicht so schwer ist).

  1. 12. Mai 2017

    […] jetzt müssen wir stark sein. Laut Edieh ist der neue Alien-Film offenbar alles andere als gelungen – und sein vernichtendes Urteil liest sich ziemlich […]

  2. 30. Mai 2017

    […] seine Prometheus-Geschichte lieber unter dem Alien-Label weiterzuerzählen und dabei ein solch halbgares Ding wie „Alien: Covenant“ herauskam. Um Blomkamp wurde es ruhig, doch nun taucht der südafrikanische Regisseur aus dem […]