Im Wald langweilen – „S.U.M. 1“ (Kinokritik)

Nach einer aggressiven Alien-Invasion durch die „Non-such“ musste die Menschheit unter der Erde Zuflucht suchen. Auf der Erdoberfläche harren nur noch wenige Überlebene aus, viele nur deshalb, weil sie keinen Weg gefunden hatten. Einzelne Soldaten werden in Überwachungstürmen stationiert und müssen dort 100 Tage ausharren, während sie ihr kleines Plan-Hexagon bewachen. S.U.M.1 (Iwan Rheon) ist ein solcher Private, der mitten im Wald bei seinem Turm ausgesetzt wird und nun 100 Tage mit seiner Isolation kämpfen muss. Dabei ist vor allen das mysteriöse Verschwinden seines Vorgängers etwas, das schon bald stark auf seiner Psyche lastet. Kann es sein, dass all dies nicht real ist?

S.U.M. 1 - Trailer (deutsch/ german; FSK 12)
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Vertrauen in Rheon

Dass Iwan Rheon ein guter Nachwuchsdarsteller ist, hat er nicht nur in „Game of Thrones“ bereits unter Beweis gestellt, wo er mit Rhamsay Bolton in die übergroßen übrig gebliebenen Schuhe des meistgehassten Unsympathen geschlüpft ist und diese souverän ausfüllte. Aber auch davor ist er positiv aufgefallen, bspw. mehrere Staffeln in der britischen Deliquenten-Superhelden-Serie „Misfits“. Aber auch Rheon kann manches nicht retten – so zum Beispiel die Marvel-Serie „Inhumans“ (wirklich, nicht anschauen, das ist verschwendete Lebenszeit!). Er ist ein starker Charakterdarsteller, keine Frage, aber auch starke Charakterdarsteller sind angewiesen auf gute Drehbücher.

Aber „S.U.M.1“ bietet leider kein gutes Drehbuch. Und auch sonst leider nur sehr wenig. Rheon muss in einem einsamen Kammerspiel vor allen gegen sich selbst anspielen und gleichzeitig genügend Interessantes bieten um das Publikum nicht zu langweilen – was auch er leider nur selten schafft. Zwar versucht das Drehbuch das langsame Abgleiten in den durch die soziale Isolation hervorgerufenen Wahnsinn darzustellen, scheitert aber nicht nur in der internen Logik und anderen Punkten völlig.

Probieren wir es mit Logik

Probieren wir es einmal mit der Logik: Warum genau müssen diese Soldaten 100 Tage alleine ausharren? Gut, es scheint eine krasse Unterbesetzung zu geben. Aber warum diese Isolation, in die noch nicht einmal Bücher oder Filme mitgenommen wurden? Immerhin gibt es aber ja auch offenbar die Möglichkeit der Telekonferenzen mit einem Dispatcher, der regelmäßig den Bericht abnimmt. Dennoch verbieten sie jeden anderen Kontakt zu Nachbartürmen oder auch nur nach Hause zu telefonieren. Und genau dafür gibt es keinen Grund, außer die Paranoia weiter zu schüren. Dass dies dass Ziel dieser letzten verbliebenen Menschen aber ist, wird an keinen Punkt klar, das Gegenteil sollte der Fall sein. Hier diktiert lediglich das Drehbuch die Logik der Welt, ein katastrophaler wie viel zu billiger Ansatz.

Und dann gibt es noch eine separat eingeschweiste und durchnummerierte Zigarette pro Tag als Belohnung, die industrielle Verarbeitung von Tabakprodukten ist also immer noch gegeben. Das selbe gilt aber nicht für Nahrungsmittel, denn dort gibt es lediglich einen in kalten Wasser aufgeschwemmten Brei. Jeden Tag. Auch hier ist der Grund lediglich, Material für eine Szenen-Montage zu bieten, bei der das Vergehen der 100 Tage gezeigt werden kann, einen Orientierungspunkt, wieviele Tage noch übrig sind. Hier könnte es sogar Sinn machen, dass auch den Soldaten (und nicht nur den Zuschauern) ein visueller Orientierungspunkt geboten wird, wie lange sie noch ausharren müssen. Aber warum bitte eine Zigarette? Wie wäre es mit einem Stück Schokolade gewesen – immerhin etwas weniger süchtig- und krankmachend und schon durch Adventskalender countdown-erprobt?

Und warum bitte baut man den Soldaten einen Weglaufschutz ein, weil … die das offenbar oft machen? Der dann auch noch genau am Außenrand des Bezirks losgeht, den sie ja eigentlich gegen Bedrohungen schützen soll, und sie genau dort unfähig zum Kämpfen macht? Irgendeine Idee? Irgendwer?

Dann wird auch nicht das seltsam-zurechtgeschminkte Aussehen von Rheon thematisiert, also warum seine Iris weißlich eingetrübt ist und sein Haar komplett ausgeblichen. Keine Info. Andere Charaktere im Film zeigen diese Optik jedenfalls nicht, sie scheint also nur bei ihm prädominant zu sein. Soll damit gezeigt werden, dass er unter der Erde aufwuchs? Wäre es dann nicht logischer gewesen, dass er eine Sonnenbrille trägt? Ach, nein, aufhören mit der Logik!

Der Drehbuchautor und Regisseur jedenfalls gibt sich hier keinerlei Mühe. Er konzentriert sich darauf, die Paranoia bei ihrem Protagonisten zu verstärken, egal wie unlogisch das alles ist. Und auch das schafft er nur so leidlich, die Charakterentwicklung vom gefügigen Soldaten zum zweifelnden Freigeist blieb mir jedenfalls verschlossen, sie war einfach irgendwann da, getrieben von fadenscheinigen Argumenten der Story.

Es kommt dann schließlich eine Auflösung zum Schluss, die leider aber nochmal verdeutlicht, wie hanebüchen all das ist, wenn man über die interne Logik aus der Perspektive betrachtet, die weiß, ob die Paranoia gerechtfertigt war oder nicht.

Deutsche Science Fiction

Eigentlich möchte man ja auch die deutsche Filmindustrie dafür loben, dass sie auch mal Science Fiction produziert und in diesen Film sind immerhin mehrere hunderttausende Euro an Filmförderung geflossen – endlich, ja, man muss wirklich nicht nur die Schweig(höfer|er)-Filme fördern! Damit haben die Produzenten aber wohl lediglich ein paar Tage im tristen Brandenburger Wald verbracht, einen britischen Fernsehstar engagiert und den ganzen Rest möglichst irgendwie günstig hingerotzt. Gerade wenn andere Filme dagegen hält, in denen ein einsamer Protagonist gegen seine eigene Paranoia ankämpft, wird klar, wie schwach das alles leider ist. Das hier ist kein „Moon“ (2009). Dies ist ein Film, der eher direkt auf DVD veröffentlicht wird.

Stattdessen wird er, wohl um den Förderern gerecht zu werden, in direkter Konkurrenz zum neuen Star Wars-Film in die Kinos gebracht. Ich habe da schon so eine Idee, ob sich die Zuschauer für Lichtschwerter und exotische Alien-Kreaturen oder für das Herumsitzen in einem Turm oder Herumlaufen durch die brandenburgische Pampa entscheiden werden …


„S.U.M.1“ („Alien Invasion: S.U.M.1“, USA 2017)

Regisseur: Christian Pasquariello

Drehbuch: Christian Pasquariello mit Dialogpolierung durch Gabrielle Pfeiffer

Darsteller: Iwan Rheon

☆☆☆☆


„S.U.M.1“ läuft ab 07.12.2017 in unseren Kinos.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

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2 Antworten

  1. The Boss sagt:

    Moon“ (2009) Falsch ist von 2010 Pls wen ihr schon Recherchiert dann ordentlich wen ihr nicht mal das könnt wird euch keiner ernst nehmen ! Und wen Ihr nun was gegen meine rechtschreibung sagen wollt (Aber „S.U.M.1“ bietet leider kein gute Drehbuch)