Geld gegen Thronfolge – „Maximilian“ (Blu-ray-Kritik)

1477 stirbt Karl der Kühne, der Herzog von Burgund. Doch seine Tochter und Nachfolgerin Maria (Christa Théret) wird vom Volk, oder genauer gesagt von den gerissenen reichen Händlern ihres Landes nicht akzeptiert. Diese wittern ihre große Chance und verlangen von ihr umfangreiche, eigene politische Machtbefugnisse – denn eine Frau als Regentin wäre ja auch einfach unakzeptabel.

Maximilian - Das Spiel von Macht und Liebe - Trailer [HD] Deutsch / German
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Maria steht mit dem Rücken zur Wand, doch es gibt einen gefährlichen Ausweg: In Österreich hat der Kaiser Friedrich III. (Tobias Moretti) durchaus Interesse an einer politischen Allianz, oder besser gesagt an das Geld Marias. Und er hat mit seinem Sohn Maximilian (Jannis Niewöhner) einen passablen Ehemann in petto. Doch dieser hat seinen eigenen Kopf und weigert sich, bei diesem Spiel mitzumachen. Und auch Maria will zunächst selbst regieren, zumal nach Gerüchten die Österreicher stinken sollen und gar rohes Fleisch verzehren. Und dann ist da noch Ludwig XI. (Jean-Hugues Anglade), König von Frankreich, der seinen eigenen, gerade erst siebenjährigen Sohn Karl mit ihr vermählen will …

Die erste Begegnung von Maximilian (Jannis Niewöhner) und Maria von Burgund (Christa Theret) (Foto: MR Film/Polyband)

Mitspielen mit den ganz Großen

Wozu braucht man Fantasy, wenn die eigene Geschichte genügend Material bietet? Sicher, diese Liebesgeschichte zwischen Maximilian I. und Maria von Burgund ist nur inspiriert von der Geschichte der realen Personen, in vielen Punkten wurde sie großzügig ausgepolstert. Dennoch ist sie tatsächlich spannend und opulent inszeniert und muss sich in den Schauwerten tatsächlich nicht vor anderen internationalen Produktionen verstecken. Es ist schon beeindruckend, was eine österreichisch-deutsche Koproduktion des öffentlich-rechtlichen Fernsehens dann doch an Schauwerten zu schaffen vermag.

Dies liegt vor allen an den gelungen Dialogen („Wir benutzen Gabeln“ – „Wir auch. Zum Heuwenden!“) in einem absolut stimmigen und durchdachten Drehbuch. Aber auch an passabler Musik, moderner Kameraführung, durchdachter Ausstattung und hunderten Komparsen, welche die Darsteller umgeben. Und die beiden Hauptdarsteller Christa Théret und Jannis Niewöhner schaffen die Kontraste ihrer beider Figuren sehr gut herauszuarbeiten: Sie die grazile, fast überirdische Schönheit und gleichermaßen empathische und durchsetzungsstarke Herzogin, er der bodenständige, körperliche Risiko-Eingeher. Gleichzeitig schaffen aber auch beide eine Anziehung, die sich erst entfachen muss bevor sie leidenschaftlich brennen kann, darzustellen. Der Kniff des Filmes, die erste Hälfte des Filmes beide nur über Nachrichten und Mittelsmänner kommunizieren zu lassen und beide als einzelne Figuren erst aufzubauen, zählt sich hier aus. Auf der anderen Seite sind aber da auch die anderen Darsteller, wie Tobias Moretti, der hier quasi den Denethor gibt und sich in seiner Wiener Burg von der Außenwelt hermetisch eingekapselt hat und sich von seinem Kamin nicht zu entfernen traut – Tageslicht scheint es in seiner Welt nicht mehr zu geben. Das ist alles ein großartiges Kostümspektakel, absolut sehenswert.

Der Thronfolger wird dem Volk präsentiert (Foto: MR Film/Polyband)

Warum das ZDF die Serie aber lieber auf einen Sendeplatz spätabends schiebt und davor lieber weit seichtere Stoffe versendet (u. a. Rosamunde Pilcher), bleibt aber unverständlich. Der Koproduzent ORF zeigte die Serie bereits im März um jeweils 20:15 Uhr und fuhr dabei sehr gute Quoten ein. Die Programmplaner des ZDF werden aber sicher ihre Gründe haben, und warum beschweren, immerhin kann man die Serie ja auch alternativ sogar in Full HD auf Blu-ray bewundern. Und ohne sie und den Produktionsfirmen Beta Film und MR Film wäre wohl auch nie das große Budget von 15,5 Mio. Euro für Regisseur Andreas Prochaska zusammengekommen. Zum Vergleich: „Game of Thrones“ hat zuletzt ein etwa ähnliches Budget pro Einzel-Episode gehabt, Prochaska füllt dafür aber ganze viereinhalb Stunden.

Sicher, es gibt auch noch ein paar kleine Kritikpunkte. Die Verpflichtung von einigen französischsprachigen Darstellern bedeutet zu großen Teilen eine Nachsynchronisation, denn es ist ja offenbar immer noch nicht dem deutschen Publikum zumutbar, Untertitel zu lesen. Im Gegensatz zu HBO wurde die Serie etwas prüde inszeniert und blendet früh bei Bettszenen aus (es gibt übrigens auch keinen anderen Grund, warum die Serie erst ab 22:00 Uhr gezeigt werden müsste). Und warum Tobias Moretti in jeder der drei Episoden als Gastdarsteller im gelungenen Vorspann genannt wird und nicht einfach als Nebendarsteller, erschließt sich vermutlich auch nur Schauspieler-Agenten.

Maximilian (Jannis Niewöhner) im kerzenerleuchteten Saal (Foto: MR Film/Polyband)

Aber mit den richtigen Regisseuren und einer ordentlichen Finanzierung ist es tatsächlich gelungen, viereinhalb Stunden eines spannenden Geschichtsdramas mit vielen Schauwerten zu inszenieren. Jetzt noch ein ähnliches Vorgehen bei Fantasy oder Science Fiction und ich bin wieder hoffnungsvoll, dass die Unterhaltungsindustrie in D-A-CH den internationalen Qualitätsanschluss dann doch nicht verpasst hat.

„Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ (D/AT 2017)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch
Darsteller: Jannis Niewöhner, Christa Théret, Alix Poisson, Tobias Moretti

★★★★

„Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ läuft als Fernseh-Dreiteiler am 1., 2. und 3. Oktober 2017 im ZDF.

Ab dem 4. Oktober 2017 erscheint die komplette Mini-Serie dann auf Blu-ray und DVD bei Polyband. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

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