Mehr Meta geht nicht? „Deadpool 2“ (Kino-Kritik)

Wade Wilson (Ryan Reynolds), besser bekannt als sein Alter Ego Deadpool, der „Merc with a Mouth“, schnetzelt sich seit geraumer Zeit durch allerlei Bösewichte um gerade noch rechtzeitig wieder nach Hause zu seinem treuen Herz Vanessa (Morena Baccarin) rückkehren zu können. Würde es länger so gut laufen, wäre ein solcher Film langweilig, was auch Deadpool erkennt. Durch eine Verkettung von Ereignissen darf er daher dann als Trainee bei den X-Men seinen ersten Einsatz verbocken: Teenie Russell (Julian Dennison, „Hunt for the Wilder People“) hat ebenfalls Traumata zu verarbeiten und muss dabei ordentlich aufpassen, nicht alles durch seine Mutantenkraft anzuzünden. Und dann kommt da auch noch Cable (Josh Brolin) aus der Zukunft zurück, um sich bei James Cameron als neuer Terminator zu bewerben um sich durch Deadpool durchzuboxen …

Deadpool 2 | Offizieller Trailer 3 | Deutsch HD German (2018)
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Mehr Budget, mehr Köche?

Ja, der erste Deadpool-Film war eine positive Überraschung, auch wenn ich schon damals auf etwas mehr hoffte. Etwas mehr Subversivität, etwas mehr Brechen mit der vierten Wand und ein höheres Budget (nicht nur um auch ein paar andere X-Men zeigen zu können) – das wäre eigentlich schon klasse gewesen. Der Film war an den Kinokassen dann auch überraschend extrem erfolgreich, wurde dann aber prompt von „Logan“ noch überholt (was auch genauso prompt in der Eröffnungsszene des Films süffisant kommentiert wird). Da Fox von „Logan“ aus Spoilergründen eigentlich keine Fortsetzung mehr drehen kann, stecken sie jetzt halt das Budget und ihre Hoffnung in einen anderen R-rated Film und engagieren auch gleich einen neuen Regisseur geholt: David Leitch. Dieser ehemalige Stuntman inszenierte bereits eindrucksvoll andere brutale Streifen wie „John Wick“ und „Atomic Blonde“.

Josh Brolin darf als Cable vor allen grimmig dreinblicken. Das kann er. (Foto: 20th Century Fox)

Entsprechendes setzt er dann auch für „Deadpool 2“ um: Sets und Kämpfe fallen eine deutliche Nummer größer aus, bleiben aber dennoch gegenüber anderen Marvel-Filmen angenehm bodenständig. Und auch der Humor von Deadpool fällt natürlich nicht unter dem Tisch, wobei unter all den schrägen Kommentaren von Deadpool die Macher natürlich noch generell die Story unterbringen müssen, die hier aber sehr herkömmlich ausfällt. Klar, es ist witzig, wenn in dem Moment eines Foreshadowing Deadpool das Publikum eben darauf hinweist, dass das da gerade stattfindet – aber wenn sie dann doch in recht simple Tropes ohne zynischen Outtime-Kommentar zurückfallen um den finalen Konflikt aufzulösen, ist das schon etwas widersinnig.

Die Supporting Charaktere supporten hier auch nur noch. Das haben sie in ihrer Jobbeschreibung offenbar verstanden, die Drehbuchautoren aber offenbar falsch (Foto: 20th Century Fox)

Wenn Deadpool spricht, schweigen die Krümel

Mit der Einführung der Kräfteunterdrückungskragen zieht dann auch ein ziemlich unsinniges Plotelement in den Filmkosmos ein, zumal diese bei Deadpool zu nutzen natürlich bedeuten würde, dass sein Krebs ihn ziemlich bald umbringen würde und das Anlegen also ein Todesurteil darstellt. Dass Deadpool dadurch auch seine kompletten Söldner-Kampffertigkeiten vergisst, wird dann auch gar nicht mehr thematisiert, wobei man das leicht durch einen Metakommentar hätte auflösen können.

Andererseits ist dann auch die Einführung von Domino, deren einzige Kraft unverschämtes Glück ist, potenziell als eine alleskönnende Mary Sue gefährlich. Dies wird aber insgesamt gut im Film gelöst und sie bekommt einfach nur einige wirklich unterhaltsame wie überzogene Actionszenen spendiert. Während der aus dem ersten Teil bereits bekannte Colossus wieder versuchen darf, Wade auf die „gute Seite“ der X-Men zu ziehen, wissen die Drehbuchautoren mit Negasonic Teenage Warhead quasi nichts mehr anzufangen und verpassen ihr nur eine Beziehung, sie darf einmal ihre Kraft einsetzen – ansonsten lassen sie sie nur frustriert in die Kamera gucken. Auch die neue Figur des Russells bleibt insgesamt zu wenig ausgearbeitet, insbesondere wenn man Julian Dennisons Rolle in dem grandiosen „Hunt for the Wilder People“ kennt, die, minus Superkräfte, eigentlich nahezu identisch angelegt aber soviel besser umgesetzt war. Selbst Josh Brolins Cable darf hier noch weniger Charisma versprühen als Thanos, dessen Rolle überraschend gleich angelegt ist. Alle müssen hinter Wade Wilsons Figur zurücktreten und dürfen maximal als Stichwortgeber fungieren.

Dennoch: „Deadpool 2“ schlägt in die gleiche Kerbe wie der erste Film und ist mindestens genauso unterhaltsam, hat aber mit einem größeren Budget noch mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Genauso wie beim ersten Teil wäre aber auch mehr Potenzial dagewesen.


„Deadpool 2“ (USA 2018)

Regisseur: David Leitch

Darsteller: Rhett Reese, Paul Wernick & Ryan Reynolds, basierend auf den Marvel Comics von Rob Liefeld & Fabian Nicieza

Score: Buntgrelle Mischung, die sich offenbar viele Scheiben bei Guardians of the Galaxy abgeschnitten hat

★★★★


„Deadpool 2“ läuft ab dem 17. Mai 2018 in unseren Lichtspielhäusern.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

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