„Ready Player One“: Buch, Film oder Hörbuch?

Vor sieben Jahren, 2011, erschien Ernest Clines Roman „Ready Player One“, zeitgleich erschien auch das Audiobuch, eingesprochen von Wil Wheaton. Die deutschsprachige Übersetzung von Hannes und Sara Riffel erschien ein Jahr später, zeitgleich ein Hörbuch gelesen von Martin Bross. 2017 wurde dies neu eingelesen, diesmal von David Nathan. Und seit einigen Tagen läuft auch noch eine Filmversion von Steven Spielberg in unseren Kinos.

Was wäre, wenn es auch noch eine VR-Version geben würde? (Tye Sheridan in Ready Player One, Foto: Jaap Buttendijk/Warner Bros. Pictures)

Eine reichhaltige Auswahl also, bleibt die Frage, welche Version die beste ist?

Bücher vs. Filme

Viele behaupten natürlich erstmal pauschal, dass das Buch, also sozusagen die „Originalversion“, das einzig Wahre sein muss. Dass dies nicht immer der Fall ist, sieht man bei vielen Verfilmungen, welche die „Originalversion“ auf ein künstlerisch hochwertigeres Level zu hieven vermögen: Dazu zählt sicherlich „Arrival“, Denis Villeneuves Verfilmung aus dem Jahre 2016 von der Kurzgeschichte „Story of Your Life“ von Ted Chiang. Keine Frage, die Kurzgeschichte ist gut, aber der Film, der in einigen Punkten eine deutliche Abkehr von der Geschichte nimmt und gleichzeitig durch den Wechsel der Ich-Perspektive (die im Film ohnehin schwer darstellbar ist) vermag eine entscheidende Überraschung weit besser zu kaschieren.

Natürlich kann die Ausnahme die Regel bestätigen, aber gibt zu viele Ausnahmen: „Forrest Gump“, „American Psycho“ oder „Jurassic Park“ – sie schaffen es alle, das Buch durch eine neue visuelle Ebene zu überflügeln.

Bücher vs. Hörbücher

Den selben Effekt gibt es aber auch bei Hörbüchern. Auf den ersten Blick ist das erstaunlich, gerade bei ungekürzten Hörbüchern – sind hier die Worte doch unverändert.

Es gibt allerdings auch eine sehr einfache, pauschale Erklärung, warum ein Hörbuch besser sein kann: Menschen, denen man sehr gerne zuhört. „Der könnte mir auch das Telefonbuch vorlesen“ ist halt nicht nur ein schönes Kompliment: Es gibt Sprecher, welche diese Kunst einfach bis zur Perfektion beherrschen, allein mit ihrer Stimme faszinieren und nicht nur Charaktere problemlos unterscheid- und erkennbar gestalten können. Eine simple Dialogzeile können sie, auch in Vorkenntnis des weiteren Buches, durch entsprechende Betonung eine weitere Ebene hinzufügen, die man zumindest beim ersten Lesen des Werkes nicht bemerkt.

Umgekehrt gibt es aber natürlich leider auch Sprecher, welche ein Werk nach unten ziehen. Einer der Gründe, warum so manches Hörbuch neu inszeniert wird.

Weisheit der Masse: Wertungen

Das Audible Magazin hat sich mal die Mühe gemacht, und die drei Medien Filme, Bücher und Hörbücher gegeneinander gestellt und dabei auf die Nutzer-Bewertungen von Plattformen wie der IMDb, Goodreads und Audible zurückgegriffen. Daraus kann man einige interessante Highlights ablesen: „Nocturnal Animals“ bspw. sollte man wohl am Besten in der Film-Fassung von Tom Ford konsumieren (ich kenne tatsächlich auch nur diese). „I Am Legend“ möglichst als englischsprachiges Hörbuch. Auch Andy Weirs „The Martian“ gewinnt als Hörbuch (4,7 für die deutsche oder 4,8 für die englische Variante) gegenüber dem Buch (4,4) und nochmal gegenüber dem Film (4,0 umgerechnet), trotz einer Regie-Legende wie Ridley Scott.

Wobei – ganz so einfach ist das nicht, wenn man die Statistiken der Stichprobe vergleicht: Hörbücher werden offenbar generell etwas besser als Bücher und beide generell besser als Filme bewertet. Dabei muss man natürlich erstmal auch einschränken, dass eher Bücher verfilmt werden, welche erfolgreich und beliebt sind. Entsprechend ist die Stichprobe natürlich erstmal etwas verwässert.

Und was ist nun mit „Ready Player One“?

Zurück zu „Ready Player One“. Hier habe ich als Kenner der Buchvorlage und des Filmes eine klare Meinung: Das Buch ist besser!

READY PLAYER ONE - Trailer #2 Deutsch HD German (2018)
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Zwar ist es Regisseur Spielberg durchaus gelungen eine bunte Popkultur-Popcornschlacht zu inszenieren, die in der schieren visuellen Wucht eine neue Bestmarke in der Disziplin Popkultur-Referenz-Zitate-pro-Minute aufstellt. Er nimmt aber in einigen Bereichen großen Abstand von seinem Quellmaterial, lässt Bereiche aus oder remixt sie neu, um neue Ideen einzubauen. Gerade im letzten Drittel trifft er noch dazu einige fragwürdige Entscheidungen: Eine im Buch überraschende, aber logische und vor allen Dramatik-bringende Wendung, wird im Film quasi im Nebensatz abgefrühstückt, eine Änderung die gerade in der aktuellen Debatte um „Me too“ und ähnliches noch weniger Sinn macht (dazu hat Ayo Norman-Williams eine treffende aber nicht-spoilerfreie Analyse auf Englisch geschrieben). Dazu kommt, dass die letzten Aktionen des Films eher zufällig in die richtige Richtung gestolpert wirken, während sie im Buch teil eines tatsächlichen Plans waren, der über Wochen und Monate hinweg unter großen persönlichen Opfern ausgeführt wurde.

Auch wenn es eine diverse Gruppe von Helden ist – die Vielfalt aus dem Roman kommt im Film durch ein paar Änderungen nicht mehr so gut rüber (Foto: Warner Bros. Pictures)

(Achtung, kleine Spoiler!) Und dann gibt es auch noch einen absolut unnötigen moralischen Zeigefinger am Schluss, nachdem die virtuelle Realität, Oasis, einfach mal zwei Tage die Woche abgeschaltet wird, weil das ja „soviel gesunder“ wäre. Dieser feuchte Traum von verbohrten Pädagogen hat mich fast aufstoßen lassen: Das ist ein Versuch, Erwachsene zu bevormunden, gar zu erziehen, das ist in etwa als ob man Fernsehunterhaltung von Staatsseite aus regelmäßig zwangspausieren würde. Wobei die Filmmacher dabei auch noch den von ihnen selbst etablierten Fakt ignorieren, dass die zerstörte Wirtschaft dieser Welt darauf angewiesen ist, dass man in der Oasis arbeiten kann. Ein Logikfehler genauso wie die Frage, ob man nun durch die VR-Brillen etwas außerhalb sehen kann oder nicht … (Spoiler-Ende)

Die Zahlen

Aber wir können ja auch hier nach den Zahlen schauen:

  • Film: 4,0 (~7,9 umgerechnet)
  • Buch: 4,3
  • Hörbuch: 4,7 (deutsche Fassung, gelesen von David Nathan)

Wobei ich persönlich allerdings die englische Hörbuch-Variante von WIl Wheaton empfehlen möchte: Einfach weil Wil selbst ein eher nerdiger Typ ist und damit auf die Figur des Protagonisten Wade Watts entsprechend besser passt. Diese schneidet mit 4,8 dann auch sogar noch etwas besser ab.


„Ready Player One (Buch)“ (USA 2011)

Autor: Ernest Cline

★★★★


„Ready Player One (Hörbuch)“ (USA 2011)

Autor: Ernest Cline

Gelesen von: Wil Wheaton

★★★★


„Ready Player One“ (USA 2018)

Regisseur: Steven Spielberg

Drehbuch: Zak Penn, basierend auf dem Roman von Ernest Cline

Darsteller: Tye Sheridan, Olivia Cooke, Ben Mendelsohn

Score: Alan Silvestris Score ist routiniert und unauffällig

★★★☆☆


„Ready Player One“ läuft seit 5. April 2018 in unseren Kinos, das deutsche Buch ist bei Fischer-Tor erschienen, das deutsche Hörbuch im Argon-Verlag, das englische Buch und Hörbuch bei Random House. Offenlegung: Dieser Beitrag entstand redaktionell unabhängig mit freundlicher Unterstützung von Audible Magazin.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

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