Hellboy – Call of Darkness (Kritik)

Hellboy (David Harbour) wird nach einer missglückten Mission nach Großbritannien geschickt, wo er alte Verbündete seines Vaters (Ian McShane) dabei helfen soll, ein paar Riesen aufzuhalten. Doch dort sind derzeit auch ganz andere Kräfte gerade dabei wieder zu erstarken: Die unsterbliche Blutkönigin und Hexe Nimue (Milla Jovovich), die einst von König Arthur in mehrere lebende Teile zerpuzzelt und über Britannien verteilt wurde, wird wieder zusammengesetzt und es droht daher nichts weniger als die Apokalypse. Immerhin findet Hellboy aber Unterstützung von Alice (Sasha Lane), einer alten Freundin, die er einst in Kindheitstagen vor einem Wechselbalg gerettet hat, und die seitdem seherische Fähigkeiten hat. Nur dieser narbengesichtige britische Agent Ben Daimio (Daniel Dae Kim) nervt ihn zunächst ziemlich.

Hellboy - Call of Darkness - Trailer (deutsch/ german; FSK 12)
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Splatter als Alleinstellungsmerkmal?

Was. Ein. Unfug.

Dieser Film ist eine chaotische Aneinanderreihung teilweise unzusammenhängender Versatzstücke aus den Comics, die vor allem auf viel Blut, Gedärme und überbordende Gewalt mit coolen Sprüchen getrimmt sind. Er will sein R-Rating (in Deutschland FSK 16) stolz nach oben halten und sagen: Schaut her, wir halten uns extra nicht zurück. Splatter soll hier das Alleinstellungsmerkmal sein.

Dieser blut-rote Faden ist gerade in der ersten Hälfte aber auch so dominierend, dass die eigentliche Story dahinter arg zurückbleibt. Neil Marshall versucht, Hellboy als eine Art übernatürlichen James Bond zu inszenieren und jagt ihn um die Welt. Allerdings ist schon die Eröffnungsszene für den restlichen Plot völlig belanglos (zugegeben, das ist diese für die meisten Bond-Filme auch). Sie führt den Protagonisten nicht wirklich für ein unwissendes Publikum neu ein – das schafft dann immerhin der spätere Film – sondern gibt nur eine nebulöse Prophezeiung wieder. Sie bietet lediglich Raum für eine überladene Kloppszene. Und startet damit einen unheiligen Trend.

Hellboy in seiner ganzen Glorie (David Harbour, Foto: Universum Film)

Handlung ist was für Looser

Erst in der zweiten Hälfte findet der Film dann auch versehentlich zu seiner Story. Er vermeidet aber auch dann noch geflissentlich, dass wir eine emotionale Bindung zu irgendwelchen der Charaktere aufgebaut bekämen. Was nützt der Tod einer entrückten Mentorfigur, wenn wir kaum die Beziehung zwischen dieser und dem Protagonisten kennenlernen konnten? Was ist eigentlich genau die Motivation der Hexen? Oder was will der Orion Club eigentlich? Oder hieß er Osiris Club? Es bleibt egal. Hauptsache beklopptes Gekloppe.

Ja, vielleicht hat man als Fan der Comics einen anderen Zugang zu all diesem und kann sich über viele kleine Anspielungen mehr freuen. Aber eine Adaption sollte halt auch uneingeweihte Zuschauer ausreichend abholen. Und ehrlich: Hätte ich diesen Film nicht im Kino gesehen, hätte ich ihn wohl nach 20 Minuten entnervt abgebrochen. Nicht, dass ich etwas gegen Splatter hätte. Aber nur mit Splatter und deftigen Sprüchen allein haben schon in den 80er Jahren Filme nicht ihr Publikum abgeholt. Da muss schon etwas mehr Fleisch an den Knochen, bevor er zerbrochen wird.

Im Abgang interessanter

Nachdem große Teile meines Hirns bereits weggeballert waren, fing ich aber irgendwann an, den Rest des Films weniger genervt zu sein. Ja, sogar richtiggehend unterhalten zu werden. Ja, im Bereich Action und Effekte bietet der Film durchaus eine solide Kost. Auch bringen die späten Neuzugänge, Alice sowie Ben Daimio endlich auch etwas interessantere Charaktere in den Film hinein. Und klar: natürlich macht ein sarkastischer, sprüchekloppender Hauptprotagonist auch mehr Sinn, wenn er Figuren hat, an denen er sich reiben kann, und beide bieten dafür endlich die lange vermisste Fläche.

Hätten ruhig vorher schon auftauchen dürfen: Alice und Major Ben Daimio (Sasha Lane, David Harbour und Daniel Dae Kim, Foto: Universum Film)

Nach einem abermals überbordenden Finale (aber wer hätte hier etwas anderes erwartet) kommt es dann zu gleich drei Epilogen, respektive Post-Credit-Scenes, von denen aber auch nur die erste wirklich auf ein Sequel hinarbeitet. Ja. Sequel. Nach diesem halbgaren Film, der erst ab der zweiten Hälfte wirklich schmecken will, frage ich mich natürlich, ob ich einen weiteren Film mit Hellboy sehen wollen würde. Vielleicht ist es ein wenig der del-Toro-Fan in mir, der die beiden ersten Verfilmungen zu hoch hält? Regisseur Neil Marshall hatte mit „Dog Soldiers“ (2002) oder „Centurion“ (2010) doch durchaus respektable Action-Horror-Kombis hingelegt. Dass ein Hellboy etwas trashig sein muss, ist auch klar. Vielleicht lasst Ihr Euch einfach hier beim Kinobesuch etwas mehr Zeit vorher beim Popcornholen, denn die zweite Hälfte ist einfach deutlich gelungener. Gut, besser als andersherum.


„Hellboy – Call of Darkness“ („Hellboy“, USA 2019)

Regisseur: Neil Marshall

Drehbuch: Andrew Cosby basierend auf dem Dark Horse Comic von Mike Mignola

Darsteller: David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane

★★☆☆☆


„Hellboy – Call of Darkness“ läuft ab dem 11. April 2019 in unseren Kinos.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

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3 Antworten

  1. Bmann sagt:

    Gerade als Fan der Comics, bin ich durch die Action und oneliner Wand des Films erschlagen worden. Das was aus den Comics stammt ist wirklich schlecht in einen Film übersetzt worden, besonders Hellboy als Figur. Aus einem ruhigen, erfahrenen und mit Empathie gesegneten Ermittler der versucht sein Schicksal als Zerstörer der Menschen, die er beschützen will, abzuwenden wird ein hibbeliger, schlecht geschriebener und über alle Maßen schräg als Teenie inszenierter Haufen Sillikon mit einer über großen Papphand. Nein um diesen Film akzeptieren zu können hat man in der heutigen zeit keine Rechtfertigung mehr( insbesondere wenn man die Comics kennt), besonders entäuschend da del toro ja doch eigentlich gezeigt hat wie gut man diese Werke als Film inszenieren kann und trotzdem eine eigen Note einbringen kann.

    • Ron Müller sagt:

      Ich kenne kaum welche der Comics, weswegen ich damit keinen Vergleich in meiner Kritik wagen wollte, aber ich befürchtete bereits, dass trotz der starken Bedienung an der Plot-Theke der Vorlagen, die Umsetzung auch dagegen stark abfallen würde. Danke für Deine Bestätigung.

  2. Massimo sagt:

    (Kommentar entfernt wegen Spam-Link und Text aus einer Rezi bei Amazon geklaut)