Online-Rollenspiel-Kladde (#2)

Soundprobleme aus der Technik-Hölle

Das Hauptkommunikationsmittel für Online-Rollenspiel ist der Voice-Chat. Umso dramatischer ist es, wenn dieser Probleme bereitet.

Ein gutes Headset löst so manche Probleme – man sollte aber auch auf das Mikro in diesem Wert legen (Symbolbild: CC-0 black_blue/Pixabay)

WebRTC in Roll20

Der in Roll20 eingebaute Voice und Videochat ist … ähm, wie drücke ich das diplomatisch aus? … alles andere als ausgereift. Er ist über WebRTC realisiert und hat dementsprechend Vorteile und vor allen Nachteile. Der Hauptvorteil: Du verbindest Dich direkt mit den anderen Teilnehmern, es läuft nichts, oder nur sehr wenig über einen zentralen Server. Der Hauptnachteil: Siehe Hauptvorteil.

Wenn jemand nicht schnell genug seine Daten uploaden vermag, stauen die sich bis zu ein paar Sekunden auf. WebRTC versucht dann möglichst schnell „aufzuholen“, weswegen im Besten Fall man das eben gesagte nur etwas zeitversetzt und schneller vorgespielt bekommt. Im schlechtesten Fall versteht man nix.

Durch diese ganzen aufgestauten Sprachübertragungen fällt man sich dann auch viel öfter ins Wort als gewollt. Und gerade Sprachdisziplin ist halt in einem Voice-Chat ausgesprochen wichtig, da das menschliche Ohr hier nicht mehr einzelne orten kann und entsprechend filtern vermag.

Roll20 Einstellungen für Video und Audio

Good Practice: Verwende maximal die Videoübertragung in Roll20, da es viel weniger Probleme bereitet, wenn Dein Gegenüber mal für ein paar Sekunden im Bild einfriert, als in der Audiospur. Dazu stellt man beim Zahnrad Eingang und Ausgang auf „Video only“.

Discord

Das beliebte und größtenteils kostenlose Tool hat sich auf Voice-Chat zwischen Spielern spezialisiert und löst dies kombiniert mit Text-Chats sehr gut. Aber es hat auch Stolpersteine:

Man muss unbedingt kontrollieren, welche Ein- und Ausgabegeräte bei Discord gerade eingerichtet sind. Und dies jedesmal, bevor man in einen Voice-Chat geht, denn zu oft vergisst Discord, worüber es gerade kommunizieren soll. Teilweise findet es auch die Audiogeräte nicht mehr, was nur mit einem Neustart behoben werden kann. Ich habe schon oftmals unbewusst meine Mitspieler genervt, weil ich eigentlich mein Headset gemutet hatte, aber das interne Mikro im Rechner angeschaltet war.

Einstellungen bei Discord

Ebenfalls ein Problem bei Discord: Die Lautstärke-Schwelle, ab wann ein Signal übertragen wird. Das Auto Levelling klappt hier zwar oft gut, genauso oft muss man es aber auch manuell einstellen und ausprobieren, dass möglichst nur Deine Stimme, aber nicht Dein Atmen übertragen wird. Notfalls kann man die Funktion Push-to-Talk nutzen, mit der man nur sprechen kann, wenn man eine bestimmte Taste gedrückt hält.

Hangouts

Eines der ersten wirklich gut laufenden Gruppen-Video-Chats wurde von Google leider bereits 2017 um die zusätzliche Konfigurierbarkeit durch Add-Ons „befreit“ und soll angeblich bereits seit längeren eingestellt werden. Dennoch liefert es immer noch meist sehr gute Resultate für ein ansolut kostenloses Tool. Einen Haken gibt es aber: Es gibt ein Auto-Levelling der Aufnahmelautstärke, die bisweilen extrem nerven kann und sich nicht abstellen lässt.

Vor Jahren gab es hier deutlich mehr einzustellen: Google Hangouts ist leider nur noch ein Schatten seinerselbst.

Skype

Skype liefert immer noch sehr stabile und auch verständliche Audio- und Videokonferenzen – wenn sie denn erstmal laufen. Leider verschluckt es sich immer wieder an Benachrichtigungen und auch an Anrufen, die einfach nicht durchgestellt werden. Und das Bedienkonzept ist auch alles andere, als intuitiv – vor allen verschwinden gerne mal einzelne Buttons, wenn man ein Fenster wechselt. Auf einem Mac vergisst es darüberhinaus gerne mal die Freigabe für die Bildschirmfreigabe in den Mac-Systemeinstellungen.

Einstellungen bei Skype sind nicht kompliziert, aber man kann einen Testanruf machen und checken, wie man bei anderen klingt.

Zoom

Im kostenfreien Zustand nur je 40 Minuten testbar, liefert das Tool aber insgesamt derzeit die stabilsten Video-Konferenzen und kommt auch mit dem großen Ansturm klar, der derzeit weltweit tobt. Dafür gibt es derzeit einige schlechte Presse durch vermeintliche und tatsächliche Sicherheitslücken. Und: Aus dem Chat kann man nichts einfach mal rauskopieren, warum auch immer.

Aktuelle Präferenz

Derzeit bevorzuge ich Audio über Discord (nachdem ich sichergestellt habe, dass auch mein Headset läuft) zum Sprechen und Roll20, um einen Spieltisch zu teilen. Zoom kommt kurz danach für Runden, bei denen es gut ist, die anderen Mitspieler auch sehen zu können.

Und auch wenn es mit der Zeit schwitzig ist: Nutzt ein gutes Headset. Nicht nur für Euch, sondern auch gerade für Euer Gegenüber, das damit nicht durch ein elendes verrauschtes Sounduntüm Probleme hat, die Konzentration aufrechtzuerhalten.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

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4 Antworten

  1. Bertram sagt:

    Danke für die gute Analyse!

  2. Greifenklaue sagt:

    Microsoft Teams, den Nachfolger von Skype gibt es theoretisch noch. Bei mir klappt Skype nur Eins-zu-Eins, echt nervig.

  3. Ron Müller sagt:

    Danke. Microsoft Teams ist zu Anfang der aktuellen Krise ja für begrenzte Zeit kostenlos geworden und ich hatte es mir tatsächlich auch angeguckt. Die Video- und Tonkonferenzen laufen ähnlich stabil und gut wie Skype, der Rest war extrem überlastet zu meinem Testzeitpunkt. Das soll sich gebessert haben. Ich persönlich fand es aber auch etwas zu unstrukturiert oder zumindest mir fiel es schwer, durchzusteigen.

    Your mileage may vary, of course … 😉

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