Kurzkritiken (Star Trek: Starfleet Academy S01, The Beauty S01)

Star Trek: Starfleet Academy (S01)

Star Trek: Starfleet Academy (Offizieller Trailer) | Paramount+ Deutschland

Auf dem Reißbrett sind hier alle richtigen Zutaten zusammen: Eine Coming-of-Age-Serie in einem bekannten, etablierten Setting, mit viel Fan-Service durch bereits etablierte Charaktere (Der Doktor, Reno) und dazu eine Mischung aus vertikaler und horizontaler Erzählweise. Aber dann hat sie das Crux der aktuellen Serienlandschaft in voller Wucht: die erste Staffel hat gerade einmal zehn Episoden, mit denen man ein ganzes Schuljahr abbilden möchte und all den neuen Charakteren gerecht werden muss.

Tatsächlich gelingt das den Autor:innen sogar. Sie konzentrieren sich auf einzelne Charaktere und geben diesen Raum zur Entwicklung. Denkt man am Anfang noch, dass man es mit eindimensionalen Schablonen zu tun bekommt, entwickeln sie sich dann doch zu komplexen Charakteren. Jedenfalls gelingt das bei den Meisten: Der eigentlich kraftstrotzende und störrische Caleb entpuppt sich als fähiger Hacker und lernbegierig. Der Klingone Jay-Den darf seine Ehre behalten und gleichzeitig fürsorglich sein und so sein Volk um wichtige Elemente erweitern. Aus dem anfänglichen Bully Darem wird ein kulturell-komplexer und verlässlicher Charakter. Das Hologram Sam darf zuerst quirlig sein um sich erst später um komplexere Facetten zu entwickeln – und dabei sich für ihr früheres Ich zu schämen. Die Schwachpunkte liegen bei der Betazoidin Tarima, die aus schwer nachvollziehbaren Gründen erst zu einem Love Interest, dann von der Gruppe getrennt und dann in ein Trauma gestürzt wird um dann später zu einem Ortungstool degradiert zu werden (in einer Rollenspielrunde wäre der Charakter durch Abwesenheit des Spielenden so verrutscht, aber in einer Serie=). Und dann noch bei Genesis, deren Entwicklung eigentlich klar angelegt war, dass sie einmal auf dem Captains Chair sitzen wollte – und als sie es dann endlich darf, dies in unsinnigen Gag verpuffen lässt.

Dass man im Streaming zu einer deutlich geringerer Folgenzahl gewechselt ist, stärkt manche Serien. Hier muss man aber deutlich feststellen, dass eine größere Folgenzahl geholfen hätte vieles besser darzustellen und Entwicklungen auch langsam zu zeigen.

★★★★☆

10 Episoden | Paramount+

The Beauty (S01)

The Beauty | Official Trailer | Evan Peters, Rebecca Hall, Ashton Kutcher | FX

Ryan Murphys Serienuniversum (9-1-1, American Horror Story, American Crime Story, Pose, Hollywood, All’s Fair, Monster, Ratched, Glee, …) ist mittlerweile so gigantisch, dass man davon ausgehen muss, dass er eigentlich nur noch in der Konzeptionsphase kurz dabeisitzen kann. Das würde dann auch erklären, wie ein solch groteskes Unikum zusammengetragen werden konnte. The Beauty startet mit einer klaren Kritik über den Trend rund um Schönheits-OPs und Abnehmspritzen – sowie den eigenen Optimierungswahn – und nutzt dazu selbst bildschöne Menschen.

Doch aus dieser durchaus interessanten Prämisse, die zu viel Gore und Horror gerade zu einlädt und einige sehr grafisch eklige Verpuppungen von Menschen zeigt bevor sie als sexy Varianten ihrer Selbst sich vom Schleim und Stückchen befreien dürfen. Doch auch wenn auf dieses die Kamera sehr lange – oft zulange – draufhalten darf, verliert die Serie mit dem späteren Verlauf völlig den Fokus und erzählt ihre Geschichte kaum noch weiter, sondern wirft immer weitere Charaktere ins Spiel – nur um sie spätestens eine Episode später wieder fallenzulassen wie heiße Kartoffeln. Man kann das als Statement für eine Schönheitsindustrie betrachten, die auch immer nur an dem gerade heißen Modell Interesse hat bevor sie es eiskalt fallen lässt – oder einfach als schlampiges Erzählen, bei dem man viel Füllermaterial braucht um all die Hautfalten zu kaschieren.

Was ein verschwendetes schönes Potenzial.

★★☆☆☆

11 Episoden | Disney+/Hulu

Beitragsbild: Sam und Darem bringen andere Stereotypen in Star Trek: Starfleet Academy (Foto Brooke Palmer/Paramount+)

Ron Müller

Rollenspieler auf der Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen.
docron.de

Kritiken zu Serien, Filmen und seltener auch Rollen- und Brettspiele …

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