Star Trek Neukonzeption (1)

Nein, hierbei geht es nicht um J.J. Abrams und seiner grausamen Aufgabe, das Star Trek Franchise neu starten zu dürfen.

Ich versuche ja schon länger von der Konzeption von TV-Serien auf die Konzeption von Rollenspielrunden zu schließen. Entsprechend analysiere ich gerne TV-Serien und habe immer ein Augenmerk darauf, was für Charakter- und Plotideen mitbenutzen kann. Zur Zeit bin ich wieder in einer solchen Konzeptionierungsphase. Und da ich sowieso dran arbeite mal ein paar Eindrücke, wie dieser Konzeptionsprozess bei mir abläuft. Anregungen und Fragen sind wie immer willkommen.

Status Quo und Absichtserklärung

Mit dem (halbwegs so geplanten) Ende meiner Langzeit-Serie „Star Trek: Guardian“ habe ich einige Scherben im Star Trek Universum hinterlassen, auf die ich jetzt aufbauen möchte. Mit den Spielern war seit Anfang der fünften (und letzten) Staffel bekannt, dass es ein Spin-Off geben würde. Doch ich wollte dem Spin-Off auf jedem Fall einen sehr eigenen Hintergrund geben und auch die Stimmung in einen anderen Kontext setzen.

Bei Guardian war die Stimmung klar: Die chronisch unterbesetzte Crew im fast aussichtslosen Kampf gegen einen unbekannten Gegner, der durch psionische Macht fast die gesamte Föderation unterjochte. Die ganze Serie war durchwoben von wilden Spekulationen, Rätseln und gewann auch durch die unterschiedlichen Spieler eine sehr klasse Eigendynamik.

Die Ablegerserie soll zwar darauf aufbauen, aber ein sehr anderes Grundthema haben. Zum einen wollte ich von Anfang an nicht ein Raumschiff als Hauptszenerie für die Serie, sondern eine Station. Und es sollte wieder ein anderer Bereich mehr in den Vordergrund treten: Die Erforschung und Entdeckung des Unbekannten.

Hauptproblem an der Sache: Mit dem Ende von den bisherigen Star Trek Serien ist eigentlich fast jeder erreichbare Bereich der Galaxie untersucht und bekannt. Und einen neue Version einer Voyager-ähnlichen Serie, in welcher die Crew in bisher unentdeckte Bereiche vordringt, wollte ich nicht. Nicht nur, weil die Thematik in der Serie Voyager selbst häufig genug nicht richtig klappte und mit diversen Kunstgriffen (Ein Stichwort z.B.: Shuttle-Nachschub) gelöst werden musste, sondern auch, weil ich wirklich etwas innovatives haben wollte und eine Nähe zur Föderation für politische Intrigen etc. nicht aufgeben wollte.

Ideensuche für das neue Setting

Lange Zeit spielte ich daher mit der Idee eines Taschenuniversums, das erst frisch entdeckt worden wäre und dessen Welten nun neu entdeckt werden müssten. Eine Raumstation davor gepackt als Basis und gut wäre es. Die Idee hatte ihren Charme, da sie viele der Aspekte bot, die ich in der neuen Serie erreichen wollte. Doch irgendwann dämmerte mir: Ich hätte eigentlich damit nur Deep Space Nine neu angestrichen.

Daher suchte ich weiter nach Ideen, bis ich wieder auf „Relics“ – einer meiner Lieblingsepisoden aus Star Trek The Next Generation (TNG) stoß. In dieser Episode trifft die Crew der Enterprise nicht nur auf einen Jahrzehnte in einem Transporterpuffer steckenden Scotty, sondern auch auf eine Dyson-Sphäre. Dieses gewaltige Konstrukt um einen Stern fanden schon viele Autoren interessant (man siehe nur die Ringwelt Bücher) aber irgendwie hat diese gewaltige Entdeckung im Star Trek Universum kaum eine Resonanz gefunden. Was wäre, wenn man eine solche neu entdeckte Dyson-Sphäre, die ein altes Volk zurückgelassen hat, als Ausgangspunkt für eine Serie wählt?

Genug Platz für Abenteuer gäbe es. Ich ging einfach mal von einer Dyson-Sphäre aus, welche den Radius von Sonne bis zu einem Punkt auf der Hälfte zwischen den Umlaufbahnen von Erde und Mars hätte (ca. 188 Millionen km). Allein das würden 447 Billiarden km² Spielfläche bedeuten (4πr²). Zum Vergleich: Die Erde hat 510 Millionen km² (das ist ungefähr eine Milliarde mal kleiner) und bietet doch eigentlich schon genügend Spielfläche für Millionen von Abenteuern.

Dann dämmerte es mir: Ich hatte in der Guardia-Serie bereits mehrfach die Phasenverschiebungstechnologie (s. „The Pegasus“ aus TNG) thematisiert. Was wäre, wenn eine solche Dyson-Sphäre direkt im Sonnensystem versteckt wäre, sozusagen vor unser allen Augen?

Ich könnte damit diverse Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen hätte ich eine direkte Nähe zu der Erde, auch kulturell gesehen, und könnte problemlos häufiger auch mal dorthin zurückkehren. Zum anderen hätte ich eine reichhaltige Welt, auf der diverse Sachen neu entdeckt werden könnten. Und ich hätte einen interessanten Mystery-Aufhänger (Wer hat diese Sphäre gebaut? Warum hat er sie gebaut? Und warum ist sie phasenverschoben?). Von einer Basis auf der Dyson-Sphäre aus würde mit kleinen Shuttles Erkundungsmissionen losgesandt werden können. Und das wäre keine Raumbasis im eigentlichen Sinne: Man könnte auch mal einfach herausgehen und die frische Luft genießen. Die Nähe zur Erde wäre gegeben, aber dennoch wäre Hilfe mindestens eine Phasenverschiebung entfernt, so dass man zuerst mal selbst klar kommen müsste.

Das Setting war also in den Grundzügen klar. Doch ein weiteres bahnte sich an: Unter den Spielern gab es erstmal niemanden, der so ohne weiteres die Rolle des Führungsoffiziers übernehmen wollte. Doch dazu mehr im nächsten Teil.

2 Gedanken zu „Star Trek Neukonzeption (1)“

  1. Na das hört sich doch erst mal recht gut an, auch wenn ich mich in diesem Milieu nicht so auskenne, klingt spannend!
    Da bin ich ja mal auf Teil 2 gespannt!
    Gruß David

  2. Wow…die Idee mit der Dyson-Spähre phasenverschoben im Sol System ist gigantisch gut – man könnte wirklich direkt eine Star Trek Serie aus dieser Idee fabrizieren die um längen besser ist als viel dessen was in den letzten Jahren erschienen ist. Große Klasse! Thumbs up!
    Aber davon einmal abgesehen gibt es durchaus noch „Orte“ im zahmen Sternenflottenuniversum die nicht von den Serien erforscht worden sind. So vergisst man wenn man den Serien folgt immer gerne das der Weltraum ein 3-Dimensionales Gebilde ist und sowohl „über“ als auch „unter“ der Föderation ebenfalls Sternensysteme sind. Hierzu gabe es mal von den Autoren des Last Unicorn Games Star Trek RPGs ein paar Artikel mit Interessanten Ideen. Eine davon ist die Kelinan-Reach…dunkel…geheimnisvoll…unerforscht…und an der oberen Grenze des Föderationsraumes gelegen…sehr zu empfehlen! Aber, ehrlich gesagt nicht ganz so abgefahren wie die Dyson-Sphäre!

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