Ein böser Doktor?

Kritik: „Doctor Who – Der sechste Doktor Vol. 3“

Prozess für einen Zeitwanderer

Die anderen Zeitwanderer des Hohen Rates sitzen über den Doktor (Colin Baker) zu Gericht. Ihm wird vorgeworfen, gegen zahlreiche Gesetze Gallifreys verstoßen zu haben, darunter Einmischung in andere Welten und später sogar Genozid. Als Ankläger fungiert ein mysteriöser Zeitwanderer namens Ankläger („Valeyard“, Michael Jayston).

Der Doktor im Anklagestand wird heftig vom Ankläger Valeyard zugesetzt (Colin Baker und Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Doktor im Anklagestand wird heftig vom Ankläger Valeyard zugesetzt (Colin Baker und Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Beweise werden durch die „Matrix der Zeit“ geliefert: Einem Konstrukt der Zeitwanderer, das vermeintlich manipulationssicher Ausschnitte aus zurückliegenden Abenteuern des Doktors und seinen Begleiterinnen Peri (Nicola Bryant) und Mel (Bonnie Langford) auf einem großen Bildschirm im Gerichtssaal zeigen kann*.

* Eine sehr andere Präsentationsform der Serials der 23. Staffel von 1986, die so nicht nur eine verbindende Rahmenhandlung für drei Serials á vier halbstündigen Episoden aufweist, sondern welche einzelne Plotbestandteile der Serials in ein spannendes Finale mit zwei halbstündigen Episoden zusammenführt. Allerdings haben im Deutschen sämtliche 14 Episoden denselben Titel („Das Urteil“) erhalten, während im Original es noch Untertitel gab, ein Makel, den offenbar Pandastorm mit der Veröffentlichung abgestellt hat – im Booklet gibt es endlich auch deutsche Titel, die ich hier übernehme.

Staffel 23, Serial 1: „Das Urteil – Der rätselhafte Planet“ („Trial of a Timelord – The Mysterious Planet“, 4×25 Minuten)

Peri und der Doktor landen auf dem primitiven Planeten Ravolox, dessen Bewohner einige überraschende Verbindungen zu der Erde aufweisen, was schließlich dem Schluss naheliegt, dass die Erde selbst Ravolox, nur an anderer Stelle im Weltall, sein muss.

Der Doktor auf dem mysteriösen Planeten (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Doktor auf dem mysteriösen Planeten (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Ein Roboter scheint darauf die Antwort zu haben. Dieser bewacht die Geheimnisse der alten Zeit, aber als der Schurke Sabalom Glitz (Tony Selby, der diese Rolle später noch weiterspielen soll) selbst versucht, an diese zu gelangen, wird die Stromzufuhr des Roboters instabil und der Doktor muss ihn deaktivieren, wodurch die Geheimnisse letztlich verloren gehen. Es bleibt unklar, wieso die Erde im Weltall eine neue Position eingenommen hat.

Staffel 23, Serial 2: „Das Urteil – Mindwarp“ („Trial of a Timelord – Mindwarp“, 4×25 Minuten)

Die Mentoren sind eine wunderschön verschrumpelte Spezies (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Die Mentoren sind eine wunderschön verschrumpelte Spezies (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Bei einem erst kürzlich zurückliegenden Abenteuer, an dass sich der Doktor selbst offenbar nicht mehr richtig erinnern kann, landen der Doktor und Peri auf dem Planeten Thoros Beta. Auf der Spur von Waffenhändlern treffen Sie auf ein hochentwickeltes, aber dekandentes und sterbendes Volk namens Mentoren, welche die primitiven Bewohner mit Hochtechnologie versorgen.

Doch der Mentor-König Kiv liegt im Sterben, und die einzige Möglichkeit, ihn zu retten, ist, sein Gehirn zu verpflanzen. Der Doktor benimmt sich immer uncharakteristischer und selbstsüchtiger und gefährdet zunehmend seine Begleiterin. Letztlich stirbt Peri, als eben ihr das Hirn von König Kiv eingesetzt wird.

Staffel 23, Serial 3: „Das Urteil – Vorvoid Terror“ („Trial of a Timelord – Terror of the Vervoids“, 4×25 Minuten)

Der Doktor wählt zu seiner Verteidigung nun Ereignisse aus seiner Zukunft, die er selbst noch nicht kennt, in der Hoffnung, dass sie ihn besser darstellen. Doch auch bei diesen schleicht sich bald der Verdacht der Manipulation ein.

Die Inquisitorin des Gerichtes und der Doktor (Lynda Bellingham und Colin Baker, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Die Inquisitorin des Gerichtes und der Doktor (Lynda Bellingham und Colin Baker, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Gemeinsam mit seiner neuen Begleiterin, Mel, folgen beide einen Notruf des interstellaren Schiffes Hyperion III. Dieses wurde von den Vervoiden sabotiert, einer Spezies pflanzenartiger Humanoide, welche hier als Sklaven gehalten werden und nun gegen ihre Schöpfer aufbegehrten und diese auslöschen wollen. Dem Doktor gelingt es, sie aufzuhalten, indem er ihre Photosynthese soweit beschleunigt, dass sie alle aufgrund Altersschwäche sterben.

Der Ankläger sieht damit nun auch noch den Tatbestand von Genozid als erfüllt an.

Staffel 23, Serial 4: „Das Urteil – Der schlimmste Feind“ („Trial of a Timelord – The Ultimate Foe“, 2×25 Minuten)

Der Doktor und seine neue Begleiterin Mel (Colin Baker und Bonnie Langford, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Doktor und seine neue Begleiterin Mel (Colin Baker und Bonnie Langford, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Um die Behauptung des Doktors zu widerlegen, dass die Matrix der Zeit manipuliert wurde, wird der Hüter der Matrix vor das Gericht bestellt. Dieser bestreitet die Möglichkeit, immerhin habe er als Einziger den Schlüssel Rassilions, aber kurze Zeit später erscheint ein alter Feind des Doktors, der Meister, auf dem Bildschirm der Matrix und beweist damit, dass diese in der Tat manipuliert werden kann.

Es stellt sich heraus, dass die Geheimnisse, nach denen Sabalom Glitz suchte, tatsächlich die Datenbank der Matrix waren und von dem Hohen Rat der Zeitwanderer gestohlen worden sind. Sie waren es, welche die Erde zur Verwischung der Spuren in der Position im All verschoben haben. Und der Ankläger selbst stellt sich als Amalgam der bösen Persönlichkeiten des Doktors heraus, der vom dem Hohen Rat als Kompensation für seinen Verrat die verbliebenen Regenerationen des Doktors erhalten sollte.

Aber der Doktor hat abermals die Rechnung ohne den Master gemacht …

Das Valeyard-Paradoxon

Natürlich ist die große Frage, wie sich der Charakter des Valeyard (oder „Ankläger“, wie er nur im Deutschen genannt wird) sinnvoll in den aktuellen Kanon einfügen lässt. Immerhin haben wir mittlerweile den ~zwölften Doktor mit Peter Capaldi vor uns und entsprechend sollten wir nun auch böse Reinkarnationen des Doktors sehen, oder? Andererseits: Natürlich ist das hier eine Zeitreisegeschichte, bei denen das Universum mittlerweile auch mal neu gestartet wurde, Parallelwelten besucht wurden, und so weiter … ob man sich also wirklich darüber Gedanken machen sollte?

Der Ankläger/Valeyard (Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Ankläger/Valeyard (Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Aber selbst wenn man es macht: Die Behauptung, dass der Valeyard zwischen der zwölften und letzten Reinkarnation angesiedelt wäre, wird lediglich vom Master („Meister“) getroffen, welcher nicht unbedingt dafür bekannt ist, immer die genaue Wahrheit zu sagen. Auch macht der vermeintliche Plan des Valeyards nicht unbedingt soviel Sinn: Wenn er wirklich die verbliebenen Regenerationen des Doktors haben will, würde er damit nicht auch sich selbst und seine Existenz in ein Großvater-Paradoxon stürzen?

Bleibt letztlich die andere Aussage des Masters: Der Valeyard sei ein „Amalgam“ der Bösen Persönlichkeiten des Doktors. Vielleicht hat sich dieses Amalgam ja nur das Aussehen einer zukünftigen Regeneration geliehen? Das würde auch narrativ mehr Sinn machen (wenn auch das Großvater-Paradoxon nicht aufgelöst werden würde).

Unterstützung bekommt die Theorie allerdings durch den aktuellen Showrunner Moffat selbst. Dieser lässt die „Great Intelligence“ auf Trenzalore in der Episode „Der Name des Doktors“ behaupten, dass der Valeyard einer der zukünftigen Pseudonyme des Doktors sein wird.

Tatsächlich war für den Valeyard mehr Hintergrund geplant gewesen: Der Drehbuchautor Eric Saward hatte ursprünglich geplant, dass er sogar die finale Reinkarnation des Doktors sei, die keine Regenerationen mehr hatte und nun verzweifelt nach einem Weg suchte, weitere zu bekommen – eine Motivation, die auch den Master eins angetrieben hatte. Aber hiergegen sprach sich der damalige Produzent John-Nathan Turner entschieden aus, aus Angst, die Serie könnte sonst ein klares Ende bekommen und so die Gefahr laufen, irgendwann abgesetzt zu werden.

Letztlich ist damit noch immer nicht aufgelöst, ob wir den Valeyard nicht doch ein weiteres mal zu Gesicht bekommen werden in der Serie …

Ein klassisches Ende

Mit „Das Urteil“ geht auch Colin Bakers Zeit als sechster Doktor zu Ende. Ihm wurde zwar angeboten, ein letztes Serial zu haben, aber er lehnte ab, weswegen auch seine Regeneration nicht durch Ihn gedreht wurde. Ihm folgte Sylvester McCoy (s. „Der siebte Doktor Vol. 1“).

Artwork der DVD-Box (Foto: Pandastorm Pictures)
Artwork der DVD-Box (Foto: Pandastorm Pictures)

Die Idee, eine komplette Staffel mit einer Story zu füllen, war damals neu im Whoniversum und ist auch (abgesehen von der dritten und vierten Staffel von Torchwood und diversen Metaplotebenen bei New Who) bisher nicht wieder so umgesetzt worden. Es fällt daher auch schwer, die Serials einzeln zu bewerten, denn auch obwohl einzelne Bestandteile etwas zu lang ausgewalzt werden ist es doch die gesamte Story, welche insgesamt (trotz aller Who-typischen Logikfehler) einen soliden und interessant konstruierten Handlungsbogen zeigt. Vor allen kann Colin Baker hier endlich beweisen, dass sein oft (auch von mir) kritisierte Ansatz des moralisch ambivalenten Doktors doch sehr interessant ist und er dem Charakter des Doktors, trotz des bunten Clownkostüms, einige eigene Facetten abgewinnen kann. Wenn Capaldi also in der aktuellen Staffel fragt: „Bin ich ein guter Mensch?“ bringt gerade Bakers Interpretation hier ordentlich Gravitas für diese Frage mit.

Mit „Der sechste Doktor, Volume 3“ sind aber auch die deutschen Veröffentlichungen der klassischen Doctor Who-Episoden leider an ein Ende angekommen. Weitere Episoden sind schlichtweg bisher nicht synchronisiert worden und es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sie dies noch werden. Pandastorm Pictures ist aber auch zum Abschluss hier wieder eine tolle und liebevolle Veröffentlichung gelungen, auf fünf DVD-Scheiben bietet es abermals alle Specials der UK-Veröffentlichungen und geben abermals großartige Einblicke in die Produktionsbedingungen der damaligen Zeit und warum Doctor Who zwischen der Ära Davidson und Baker über ein Jahr pausierte. Abermals gibt es auch ein sehr informatives Booklet, mit Einleitungen von Colin Baker und Nicola Bryant und sogar einem Interview mit dem Synchronssprecher der damaligen Doktoren, Michael Schwarzmaier.

★★★★

„Doctor Who: Sechster Doctor Volume 3“ erschien am 29.07.2016 bei Pandastorm Pictures auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

„Doctor Who“ Staffel 9 – Die bisher beste Staffel

4006448364038_highDie Box:

Diesmal habe ich die Folgen einzeln bereits während der Ausstrahlung rezensiert, präsentiere hier aber die komplette Zusammenfassung anlässlich der deutschen Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray. Und was für eine Staffel – von ein bis zwei Ausrutscher abgesehen präsentiert sich Capaldi hier auf äußerst hohem Niveau und Coleman ist in ihrer Abschiedsstaffel wie aus einer Lethargie befreit.

Die Ausstattung der deutschen Box ist erfreulicherweise mit dem britischen Pendant nahezu identisch, wobei die Briten zusätzlich noch das Weihnachtsspecial „Last Christmas“ bekommen, das in Deutschland aber bereits auf der Komplettbox der achten Staffel erschienen war. Die Box selbst strotzt nur so mit Bonus-Features, Audiokommentaren, Interviews und Set-Berichten und beinhaltet auch die beiden Kurzfilme, die vor der Auftaktfolge angesiedelt sind (allerdings nur in OmU). Insgesamt hat sich Polyband hier wieder sehr viel Mühe gegeben.

Die Folgen:

9×01: „Der Zauberlehrling (1)“

(OT: „The Magician’s Apprentice (1)“)

Der Doktor mit seinem ältesten Feind und seinem ältesten Verbündeten (Michelle Gomez als Missy, Peter Capaldi als der Dkctor und Jenna Coleman als Clara, Foto: Polyband/BBC)
Der Doktor mit seinem ältesten Feind und seinem ältesten Verbündeten (Michelle Gomez als Missy, Peter Capaldi als der Dkctor und Jenna Coleman als Clara, Foto: Polyband/BBC)

Die neunte Staffel beginnt mit einer Folge, die einem Staffelende würdig wäre, sie fährt enorm viel auf, nur um es dann zwei Szenen weiter erstmal zu ignorieren, weil noch größere Kanonen aufgefahren werden. Nun, eher: Handminen. Und: Davros. Und: Die Schattenproklamation. In der Zeit stillstehende Flugzeuge überall auf der Welt. U.N.I.T. ist wieder da. Missi lebt. Panzer im mittelalterlichen Essex. „Dude“, diese Folge steht einem wirklich der Mund offen vor Momenten, die man nicht wirklich fassen vermag. Noch dazu endet sie mit einem Cliffhanger im Stil von „Let’s Kill Hitler“. Wow. Einfach wow. Wobei diese Folge sich für Neueinsteiger ins Whoniversum kaum eignen wird, zu viele alte Fäden werden hier aufgegriffen ohne sie wirklich zu erklären. Für Fans der alten und neuen Serie aber: Wow! So kann die Staffel gerne weitergehen. ★★★★★

9×02: „Hexenkunst (2)“

(OT: „The Witch’s Familiar (2)“)

Man sollte einen Zweiteiler eigentlich erst bewerten, wenn man ihn ganz gesehen hat, oder? Jedenfalls begeistert mich die zweite Episode weit weniger als die erste, die Auflösung des spannenden Dilemmas wird nahezu ignoriert oder weggewaschen. Wozu fährt Moffat all das auf, um es dann gleich wieder liegen zu lassen? Zumindest bleibt Missy ein Lichtblick – mit dem Abstrich, dass es nicht allzuviel Spaß bringt, den Master beim reinen Improvisieren zuzuschauen, ohne dass ein meisterhafter Plan dahintersteckt und irgendwann aufgelöst wird. Irgendwie atypisch halt.

Von einem grandiosen Plan ist hier jedenfalls noch keine Spur. Stattdessen wird Clara ein drittes Mal in einen Dalek gesteckt. Aha. Hatten wir das nicht schon oft genug? Und bin ich der Einzige, der sich daran stört, dass es anscheinend nicht mehr gefährlich ist, einen Dalek zu berühren? Letztlich kein Komplettausfall, aber daraus hätte man mehr machen können, wobei ich das Gefühl nicht los werde, dass Moffat hier ein paar Sachen für später versteckt hat. Andererseits warte ich schon seit „The Eleventh Hour“ darauf, dass der Elektronikhersteller „MΨTH“ nochmal eine Rolle spielen wird. ★★★☆☆

9×03: „Spur im See (1)“

(OT: „Under the Lake (1)“)

Ach so, die aktuelle Staffel besteht also größtenteils aus Zweiteilern. Vielleicht hätte ich das vorher einmal lesen sollen, aber eigentlich versuche ich ja, Spoilern aus dem Weg zu gehen, wenn sie nicht von Alex Kingston ausgehen.

Dieser Zweiteiler jedenfalls beginnt recht gemischt, er zeigt eine Clara, die in der Rolle als Companion mittlerweile völlig aufgeht und regelrecht auf das Abenteuer brennt, während der Doktor selbst etwas zurückhaltender und vorsichtiger ist. Ein interessanter Rollentausch, und die Idee mit Claras Karteikarten zur Ansprache von Gruppen durch den sozial oft etwas unbeholfenen Doktor (man erinnere sich an „Midnight“) ist genauso treffend wie humorvoll. Sehr gut auch die Idee mit einer taubstummen Kommandantin auf der Unterseestation und die Tatsache, dass diese Lippen lesen kann, ist ebenfalls sehr gut in die Story integriert. Leider ist die Hauptstory der Folge etwas generischer und erinnert stark an das letztjährige „Mummy on the Orient Express“. Und der Cliffhanger wirkt dann doch etwas aufgesetzt, dennoch: sehr unterhaltsam. ★★★★☆

9×04: „Vor der Flut (2)“

(„Before the Flood (2)“)

Was hatte ich letzte Woche gesagt zu dem Cliffhanger? Er wirke aufgesetzt? Und ich befürchtete schon, dass er ebenso ignoriert werden würde wie in dem Zweiteiler zuvor? Diese Folge schafft es, den Cliffhanger komplett wichtig zu nehmen und zu etwas sehr Interessanten auszubauen. Ein wunderbares Dilemma von Zeitreisegeschichten wird thematisiert und in ordentliche Gehirnverrenkungen umgeformt und das Ganze auch noch mit einer kurzen Geschichte rund um Beethoven illustriert, die der Doktor vor dem Vorspann erzählen darf.

Toll erzählt, schön inszeniert – nur an die Sonic-Sunglasses habe ich mich immer noch nicht gewöhnt. Ganz groß aber auch die Rock-Variante der Vorspannmusik! ★★★★★

9×05: „Das Mädchen, das starb“

(„The Girl Who Died“)

Wikinger! Wann gab es bei Doctor Who eigentlich zuletzt Wikinger? Das muss ich gleich mal nachgucken …

(10 Minuten Recherchearbeit später) Kann nicht sein, es gab bei Doctor Who echt bisher noch keine wirkliche Wikinger-Folge? Wirklich? Gut, es tauchten ein paar Wikinger-Legenden beim siebten Doktor auf im Serial „Die Todesbucht der Wikinger“ („Curse of Fenric“), aber das waren Nachkommen der Wikinger und keine echten.

Nun also endlich eine Wikinger-Folge, und dann gleich eine wirklich sehr unterhaltsame. Jamie Mathieson, der uns letztes Jahr bereits die wirklich guten Folgen „Die Mumie“ („Mummy on the Orient Express“) und „Hinter den Wänden“ („Flatline“) beschert hat, schafft es hier, ein flottes Skript zu verfassen, das kaum an Spannung zwischenzeitlich verliert, dafür die Sonic Sunglasses entsorgt (endlich!) und mit Ashildr (Maisie Williams, „Game of Thrones“) einen wirklich tollen neuen Protagonisten einführt um ihn am Ende offenbar als neuen Antagonisten im Whoniversum zu etablieren. Und dann die Begründung, warum der Doktor sich eben dieses Gesicht ausgesucht hat! Ein Rückblick auf Tennant! Heidi! Und Benny-Hill-Musik! Wieder eine herausragende Episode! Diese Staffel hat das Potenzial ganz groß zu werden! ★★★★★

9×06: „Die Frau, die lebte“

(„The Woman Who Lived“)

Ashildr ist bereits wieder da, auch wenn sie sich nicht mehr so nennt oder auch nur eine Ahnung hat, dass sie jemals diesen Namen einst getragen hatte: Das menschliche Gehirn ist halt nur in der Kapazität auf ein Leben ausgelegt (tolle Idee!). Ihre Abhilfe: viele Tagebücher. Und natürlich Swashbuckling-Abenteuer. Hach, Swashbuckling. Aber eine Folge, die fast gänzlich ohne die aktuelle Companion auskommt. Und gerade deswegen mal wieder deutlich zeigt, dass Claras Zeit abgelaufen ist.

Aber Ashildr/Ich ist tatsächlich auch keine geeignete Companion für den Doktor, da hat er schon ganz recht. Ansonsten ein recht generischer Plot, aber die Erwähnung von Jack Harkness und das bisschen Philosophie am Schluss reißen es dann doch wieder raus. Hätte mir aber vielleicht doch eine etwas längere Pause zwischen diesen beiden Folgen gewünscht, da sie nicht wirklich als Zweiteiler nötig waren. Freue mich aber darauf, „Ich“ wiederzusehen, die Sonnenbrille aber bitte … ach, ich geb schon auf! ★★★★☆

Wie gut für den Doktor (Peter Capaldi), dass es in der Zukunft gute Roaming-Verträge gibt (Foto: Polyband/BBC)
Wie gut für den Doktor (Peter Capaldi), dass es in der Zukunft gute Roaming-Verträge gibt (Foto: Polyband/BBC)

9×07: „Die Invasion der Zygonen (1)“

(„The Zygon Invasion (1)“)

Als Ende der letzten Staffel Osgood durch Missi umgebracht wurde, hatte ich einen ziemlichen Kloß im Hals. Osgood hatte mich bereits begeistert, als ich nur ihren Schal entdeckte, den sie in „Der Tag des Doktors“ (dem 50-Jahre-Jubiläum) trug.

Nun ist sie zurück, oder vielleicht ihre Zygon-Kopie, aber eigentlich ist es gar nicht wichtig, was sie eigentlich ist – wow, eine so schöne und klare Botschaft gegen Fremdenhass gab es lange nicht mehr in Doctor Who. Doch dann der Schock, denn die Zygonen proben den Aufstand und bald können wir auch schon nicht mehr sicher sein, wer hier ein Betrüger ist, und wer ein Original, was in einer etwas kruden Szene mündet, indem ein Spezialkommando völlig überfordert erscheint.

Nach der eher spaßigen Folge von letzter Woche diesmal eine sehr actionlastige und gleichzeitig gruselige, passend zu Halloween im UK-Fernsehen ausgestrahlt. Und bevor jemand fragt: Ja, die nach einer Gameshow benannte Stadt „Truth or Consequences“ in New Mexiko existiert tatsächlich. Nebenbei erwähnt: Mittlerweile bin ich von diesem Zweiteiler-Konzept in dieser Staffel wirklich begeistert! ★★★★☆

9×08: „Die Inversion der Zygonen (2)“

(„The Zygon Inversion (2)“)

Basil? Die Folge setzt nahtlos an und bietet nach einigen Vorlauf nicht nur eine wunderbare philosophische Diskussion, sondern lässt auch weiter die 50-Jahre-Jubiläums-Folge hochleben. Einen Moment glaubte ich schon, sie würde einen billigen Ausweg nehmen und tatsächlich entweder alle Zygonen töten oder in Menschen verwandeln, aber die präsentierte Lösung ist weit weit besser und gleichzeitig glänzt Capaldi hier mit einem der wohl großartigsten Monologe in der Tradition aller Doktoren überhaupt.

Und natürlich waren wir alle davon überzeugt, dass Osgood eine perfekte und interessante Companion wäre (das war ich schon seitdem ich das erste Mal ihren Schal gesehen habe). Dann das Angebot – das sie ablehnt! Hach. Seufz. Nur die arme Kate, die nun schon so oft geblitzdingst wurde und jedesmal neu überzeugt werden muss bleibt als große Verliererin über. Einziger wirklicher Kritikpunkt: Wie bitte funktionieren jetzt die Formwandelfähigkeiten der Zygonen eigentlich wirklich? Gibt es da jetzt ein definitives Konzept? Oder ist es einfach nur Timey-Wimey? ★★★★★

9×09: „Morpheus Arme“

(„Sleep No More“)

Diesmal geht es also um Schlaf und einigen sehr netten Ideen: Maschinen, die das Schlafbedürfnis drastisch reduzieren, die gesamte Folge als Aufnahme von „Helm“-kameras, die Idee, dass der Doktor in der Doku eines anderen einfach mal auftaucht und das Ganze „Nicht anschauen!“ am Anfang.

Leider entwickelt es sich wie nahezu jede Folge von Mark Gatiss: Schöne Ideen zerfallen zu Staub und zu einen storytechnisch unzusammenhängenden Murks, ohne wirklich sinnvolle Auflösung, Erklärung oder irgendetwas Befriedigendes am Schluss. Ich weiß einfach nicht, warum alle auf seine Episoden so sehr stehen: Weder „Die rastlosen Toten“ (1×03), noch „The Idiot’s Lantern“ (2×07) waren schon bei Davies wirklich gut, und bei seinem Kumpel Moffat hat er die „viele viele bunte Daleks“ in „Sieg der Daleks“ (5×03) verbrochen, „Nacht der Angst“ (6×09) war lahm genauso wie „Kalter Krieg“ (7×09) und „Der feuerrote Schrecken“ (7×12). Auch in „Roboter in Sherwood“ (8×03) mochte ich eigentlich nur die Idee mit dem Löffel-Schwertkampf. Es ist bei ihm immer das selbe: Ein tolles Setting oder eine tolle Idee mündet in bestenfalls müder Ausführung und einem mittelmäßigen Drehbuch. Der bisherige Tiefpunkt der Staffel. ★★☆☆☆

9×10: „Das Schattenquartier“

(„Face the Raven“)

Es gab eine Zeit, da war ich genauso wie Matt Smiths Doktor von dem Geheimnis rund um Clara fasziniert. Als ihre erste eigene Staffel anfing, verlor ich schnell das Interesse an ihr, sie war dann doch zu wenig Companion, zu sehr Mysterium. Als das endlich gelöst war, hatte sie kaum Zeit bei Matt Smith noch ordentlich Companion zu sein, doch mit Capaldi zeigte Clara plötzlich eine unbändige Chemie, die nur durch die eher schnöde Danny-Pink-Romanze etwas geschmälert wurde.

In dieser Staffel hatte ich an ihr aber rein gar nichts auszusetzen, mir war aber wie allen klar, dass ihr Schwanengesang nahe war und in dieser Staffel stattfinden würde. Ich tippte aber aufs Staffelfinale und dachte auch, dass dies noch gar nicht stattfinden würde – Junge, habe ich mich geirrt. Der Abschied fand aber immerhin in einer soliden, wenn auch bis zu dem Punkt nicht wirklich herausragenden Folge statt, die Idee mit dem Countdown-Tattoo war sehr nett, aber es wirkte dann doch etwas arg konstruiert – wurde aber sinnvoll aufgelöst.

Ashildr/Ich zeigte eine Kaltherzigkeit die aber aufgrund ihres langen Lebens nachvollziehbar war und der eigentliche Abschied von Clara gelang dann hochemotional, gleichzeitig aufgrund des „Fehlers“ äußerst tragisch und trotz der Implikation fast als Kammerspiel mit einer brillanten Darstellerkunst von Capaldi, Williams und Coleman sowie einem grandiosen Abschiedsthema von Komponist Murray Gold. Ich werde sie vermissen, zumal Companions bei Doctor Who doch eigentlich nicht sterben*. Aber nun: Auf ins Finale! ★★★★☆

* Das ist natürlich nicht wahr, es gab einige Todesfälle bei OldWho, schon beim ersten Doktor sind Companions gestorben. Bei NuWho sah es bisher aber etwas anders aus, zumindest bei den Langzeitcompanions, die eher durch das Trope Unfreiwillige-Trennung-durch-MacGuffin ausgebaut wurden. Am tragischsten war damals für mich noch Donna Nobles „Reset“.

Rein technisch gesehen zählen zu den toten Companions auch Amy und Rory, welche in der Zeit für den Doktor verloren gingen, aber dennoch ein glückliches und langes Leben noch miteinander hatten – aber wir sahen in der selben Folge ihres Ausbaus noch ihren Grabstein! Und dann ist da noch eine gewisse Clara, die strenggenommen sogar aberwitzig oft für den Doktor gestorben ist um diesen zu retten. Insofern ist dieser Tod dann doch ein wunderbar sentimentaler Schluss.

9×11: „Die Angst des Doktors“

(„Heaven Sent“)

Es ist Peter Capaldi hoch anzurechnen, wie er einen durch diese seltsame Episode trägt. Ich war mittendrin noch sehr zwiegespalten über die seltsame Story des Doktors in diesem seltsamen Gebäude, nahm nur irgendwie an, dass es irgendetwas mit dem „Confession Dial“ zu tun haben würde und eine hahnebüchende Erklärung irgendwann aus dem Hut gezogen werden würde und ich mich über Moffat deswegen aufregen müsste.

Doch dann bringt er tatsächlich das Teleporter-Dilemma in eine Geschichte mit dem Doktor ein und der Doktor schlägt sich über Millennia hinweg durch Diamant, bis er endlich fliehen kann. Er stirbt dabei unzählige Tode und nähert sich so Claras Geschichte an, die selbst unzählig oft starb und hier als seine Ratgeberin und Lehrerin in einer seltsamen Form der Trauerbewältigung nochmal auftaucht. Gleichzeitig beweist Moffat, dass die Serie immer noch viel Neues zeigen und überraschen kann. Wunderbare Folge! ★★★★★

Der Doktor ist zurück auf Galifrey (Peter Capaldi, Foto: Polyband/BBC)
Der Doktor ist zurück auf Galifrey (Peter Capaldi, Foto: Polyband/BBC)

9×12: „In Teufels Küche“

(„Hell Bent“)

Der Doktor ist zurück auf Gallifrey und macht zunächst genau das, was der Doktor macht: Er liefert sich mit dem Präsidenten der Timelords nur mit Worten und Präsenz ein Duell und gewinnt dies. Dann macht er genau, was der Doktor macht: Er rettet Clara doch noch.

Eine viel zu lange Zeit hält er mich tatsächlich in dem Glauben, dass Clara genau das gleiche Ende wie Donna bekommen wird. Doch dann dreht Moffat wieder einen typischen eigentlich unmöglichen Twist in seiner Story und am Ende reisen Ich und Clara mit einer eigenen Tardis (im Retro-Look!) durch das Universum in dem Wissen, dass Clara eines Tages wieder auf Gallifrey zurückkehren muss, in genau dem Moment, aus dem sie herausgerissen wurde. Damit ist Clara nun endgültig selbst zum Doktor geworden: Sie rennt von Gallifrey in einer gestohlenen Tardis weg mit einer Companion an ihrer Seite.

Währenddessen löscht der Doktor alle emotionalen Verbindungen an sie und hat letztlich auch den Abschied von ihr verarbeitet und seine Trauer in einen Gitarrensong gelegt, der eben genau das wunderschöne Thema aufweist, das Murray Gold einst für Clara eingeführt hat. Und: er bekommt einen neuen Sonic Screwdriver, womit endlich die Sonic Shades durch sein dürften (juchu!).

Clara tauchte einst mit dem Spruch „Run you clever boy and remember“ auf. Dies kann der Doktor nun nicht mehr. Was für ein bitter-süßes Ende von was für einer gelungenen Staffel. ★★★★★

Weihnachtsspecial 2015: „Besuch bei River Song“

(„The Husbands of River Song“)

Zu Weihnachten kommt ein Mann ganz in Rot gekleidet (Peter Capaldi als der Doctor, Alex Kingston als River Song sowie Hydroflax, Foto: Polyband/BBC)
Zu Weihnachten kommt ein Mann ganz in Rot gekleidet (Peter Capaldi als der Doctor, Alex Kingston als River Song sowie Hydroflax, Foto: Polyband/BBC)

Ja, es bringt eine Zeitlang Spaß, wie verbohrt River dabei ist, völlig auszublenden, dass der Doktor direkt vor ihr steht. Aber es wird dann doch schnell überstrapaziert, und auch nur, um noch einen weiteren Gag aus dem ausgerittenen Pferd zu quetschen. Auch die Idee, River bei ihrer „archäologischen Arbeit“ einmal zu besuchen, hält nicht für die ganze Episode stand und das Ganze noch dazu in weihnachtlicher Deko zu packen ist dann doch ziemlich aufgesetzt (aber für ein Weihnachtsspecial vielleicht unausweichlich). Ich möchte zwar eigentlich die zusätzliche Folge zu Weihnachten nicht missen, aber in den letzten Jahren sind diese gegenüber den eigentlichen Staffeln doch ziemlich schwächer geworden. Vielleicht waren sie es schon immer?

Aber es gibt auch schöne Momente, wie die erste Chance des Doktors über die Tardis staunen zu dürfen und vor allen aber der gemeinsame Abschluss mit dem Doktor und River auf dem Restaurant-Balkon. Beide haben gerade in ihren jeweiligen Zeitlinien einen starken Verlust erlitten – der Doktor Clara und River ihre Eltern – und ihr Dialog über das „Happily Ever After“ (interessant, dass wir in den deutschsprachigen Märchen da weit realistischer sind und im Gegensatz zum Englischen den Tod durchaus in „… und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“ erwähnen) und was dies wirklich bedeutet, ist ein schöner Gedanke. Aber leider auch nicht mehr. ★★★☆☆

Fazit Staffel 9

Sechs Episoden haben volle fünf Sterne erhalten, nur eine einzige Folge ist mit zwei Sternen schlecht bewertet von mir*, das zeigt deutlich: Die neunte Staffel macht sehr viel richtig. Die Idee, einen Großteil der Episoden mehr Raum zum Entfalten zu geben, hat sich ausgezahlt gemacht. Auch wenn ich nicht alle Entscheidungen von Showrunner Steven Moffat begrüße, dies war eine gute.

* Durchschnitt aller Folgen dieser Staffel: 4,2 Sterne, die Staffel 8 hatte noch 4,0 Sterne von mir im Durchschnitt erhalten.

Leider müssen wir nun auf die zehnte Staffel bis ins Jahr 2017 warten, da die BBC ein Jahr aussetzt und lediglich ein Weihnachtsspecial bringen wird. Auch wird die zehnte Staffel die letzte unter Moffat sein, danach übernimmt aber mit Chris Chibnall ein erfahrener Showrunner, der bereits mit Broadchurch bewies, gute Geschichten erzählen zu können. Er hat auch bereits Doctor Who-Erfahrung, wenn auch seine bisherigen Folgen nicht so herausragend waren, wie die von Steven Moffat damals. Immerhin übernimmt nicht Mark Gattis. 🙂

Es bleibt eine der besten Staffeln von Doctor Who überhaupt, sicherlich die beste Staffel von NuWho, die ich im Gegensatz von OldWho alle gesehen habe und damit mir eine Wertung zutraue. Capaldi ist und bleibt ein toller Doktor-Darsteller und ich bin gespannt auf die zehnte Staffel, selbst wenn es seine letzte werden wird. Immerhin hat Moffat genügend Zeit seinen eigenen Schwanengesang ordentlich vorzubereiten …

★★★★

„Doctor Who: Die komplette neunte Staffel“ erschien am 18.03.2016 bei Polyband auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Sympathischer wird er nur langsam: „Doctor Who – Der sechste Doktor Vol. 2“

Schon bei dem ersten Volume vom sechsten Doktor hatte ich so meine Anlaufschwierigkeiten mit Colin Bakers Darstellung. Die zweite Box erscheint nun am 26.02.2016 und, um das vorwegzunehmen, ich werde immer noch nicht wirklich warm mit dieser Regeneration. Immerhin sind die Folgen größtenteils noch unterhaltsam genug, und Peri mag ich als Begleiterin tatsächlich mittlerweile, jedenfalls mehr als Mel, die dann wohl oder übel in der nächsten Box erstmals auftauchen wird.

Staffel 22 Serial 04: „Androiden in Sevilla“ („The Two Doctors“, 3×45 Minuten)

Eigentlich ist das Volk der „Androgum“* noch recht primitiv. Doch durch ein Experiment eines Wissenschaftlers wurde die Androgum Chessene weit intelligenter gemacht – und sie hat nun eigene Pläne, welche neben ihrem kannibalischen Küchenchef-Lakaien auch die kriegerischen Sontarianer berühren. Eine Herausforderung, die zwei Doktoren braucht …

* Die Entscheidung der deutschen Synchronisation ist ja bisweilen fragwürdig, aber allgemein kann man sich mit etwas Zögern dann doch an „Zeitwanderer“ statt „Timelord“ anfreunden. Aus der erfundenen Spezies der „Androgum“ jedoch in der Übersetzung „Androiden“ zu machen ist schlichtweg ein Riesen-Unfug und macht im Kontext der Folge selbst überhaupt kein Sinn, erst Recht nicht, wenn nur ein Serial später tatsächlich „Androiden“, also menschenähnliche Roboter, auftauchen.

Zwei Aussehen, ein Charakter: Zwei Doktoren treffen aufeinander (Patrick Troughton und Colin Baker, Foto: BBC Germany/Pandastorm Pictures)
Zwei Aussehen, ein Charakter: Zwei Doktoren treffen aufeinander (Patrick Troughton und Colin Baker, Foto: BBC Germany/Pandastorm Pictures)

Wenn mehrere Doktoren in einer Folge auftauchen (von kurzen Cameos abgesehen) ist das immer etwas Besonderes und wurde bisher auch nur zweimal eingesetzt: Zum zehnjährigen Jubiläum trafen 1973 drei Doktoren („The Three Doctors“) aufeinander, zum zwanzigjährigen Jubiläum 1983 fünf Doktoren („The Five Doctors“, ein Brauch, der später auch beim fünfzigjährigen Jubiläum mit mehreren Doktoren fortgesetzt werden sollte, bei dem der elfte auf den zehnten und einen weiteren davor treffen sollte). 1985 entschied man sich aber auch ohne Jubiläum für einen Besuch des zweiten Doktors (Patrick Troughton) und dessen Begleiter Jamie McCrimmon (Frazer Hines) beim sechsten Doktor (Colin Baker) und dessen Begleiterin Peri Brown (Nicola Bryant), getrieben von dem Erfolg mit den fünf Doktoren 1983. Es sollte der jeweils letzte Auftritt von Troughton und Hines in der Serie werden.

Die Story selbst ist eine recht deutliche Allegorie gegen Fleischesser, bei denen sowohl der Doktor als auch Peri am Ende zu Vegetariern werden. Auf der anderen Seite ist die Folge auch sehr wegen der dargestellten Gewalt kritisiert worden, es gibt Messerstechereien und Wunden und schließlich auch greift der Doktor hier nicht nur selbst zur Gewalt, sondern muss sogar jemanden umbringen. Insgesamt trotz der zwei Doktoren eine eher mittelmäßige Folge, wobei ich durch sie auf den zweiten Doktor und Jamie etwas neugieriger geworden bin.

★★★☆☆

Staffel 22 Serial 05: „Das Amulett“ („Timelash“, 2×45 Minuten-Serial)

Der Doktor klettert durch die Zeit. Keine Pointe. (Foto: BBC Germany/Pandastorm Pictures)
Der Doktor klettert durch die Zeit. Keine Pointe. (Foto: BBC Germany/Pandastorm Pictures)

Die Tardis verfängt sich in einem Zeittunnel und landet schließlich auf dem Planeten Karfel, dessen Bevölkerung erst jüngst die Zeitreise entwickelt haben und sich gerade in einer politischen Intrige verstricken. Bei dieser ist eine junge Frau namens Vena ins Zeitnetz gefallen, welche ausgerechnet ein sehr wichtiges Amulett dabei hatte, das unbedingt wiederbeschafft werden muss. Während Peri in einem unterirdischen Tunnelsystem auf Widerstandskämpfer und dem Echsenmonster Morlox trifft, rettet der Doktor Vena aus der Vergangenheit und liest dabei aber auch den Schriftsteller „Herbert“ als blinden Passagier in der Tardis mit auf, der sich später als „H. G. Wells“ offenbart.

Ein ziemlich schwaches und ziemlich konfuses Serial, das sich lieber mehr auf die historische Figur von Wells hätte konzentrieren können statt auf schlechte Effekte und komische Anspielungen auf Monster in schottischen Seen.

★★☆☆☆

Staffel 22 Serial 06: „Planet der Toten“ („Revelation of the Daleks“, 2×45 Minuten-Serial)

Auf dem Planeten Necros wollen der Doktor und Peri eigentlich nur einer Beerdigung eines alten Freundes des Doktors beiwohnen, als sie bemerken, dass in der von Meister Jobel geleiteten Bestattungsanlage Schreckliches vor sich geht: Davros, der verrückte Wissenschaftler, der einst die Daleks erschuf, will aus menschlichen Leichen sich eine neue Armee von Daleks aufbauen.

Alte Feinde haben viel zu besprechen: Der Doktor und Davros (Foto: BBC Germany/Pandastorm Pictures)
Alte Feinde haben viel zu besprechen: Der Doktor und Davros (Foto: BBC Germany/Pandastorm Pictures)

Ein Gedenkstein, eine Grabstele, die das Konterfei des Doktors trägt und diesen unter sich begräbt, ein DJ, der vor allen Peri gut unterhält und eine Dalek-Variante von Soylent Green … das Serial ist vollgepfropft mit skurillen und größtenteils auch recht unterhaltsamen Ideen.

★★★★

Die Extras

Davros auf dem abermals sehr stylischen Cover (Foto: Pandastorm Pictures)
Davros auf dem abermals sehr stylischen Cover (Foto: Pandastorm Pictures)

Abermals macht Pandastorm hier alles richtig bei der Veröffentlichung und keine Kompromisse mit der Bildqualität, stattdessen packen sie die Extras auf zusätzliche DVDs. So gibt es drei DVDs mit den Episoden und zwei DVDs mit Extras (zum 4. und 6. Serial), die Extras zum 5. Serial passten noch auf die DVD selbst mit drauf. Dazu gibt es wieder einen Pappschuber und ein kleines, informatives Booklet.

„Doctor Who: Sechster Doctor Volume 2“ erscheint am 26.02.2016 bei Pandastorm Pictures auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Der Doktor wird gewalttätig – „Doctor Who – Der sechste Doktor Vol. 1“

Collage zu Doctor Who - Sechster Doktor - Volume 1 (Foto: Pandastorm/BBC)
Collage zu Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 1 (Foto: Pandastorm/BBC)

Es gibt ein paar Doktoren, von denen habe ich fast noch gar nichts gesehen und der sechste Doktor (Colin Baker) gehört dazu*. Irgendwie war er für mich immer der unzugänglichste, auch meine Kollegen vom Ausgespielt-Podcast waren ihn nicht wirklich so angetan von ihm. Aber das bedeutet nicht, dass man sich nicht ein eigenes Bild machen sollte.

* Genauso übrigens der zweite Doctor, von dem ich auch noch kein einziges Serial gesehen habe. Aber das habe ich vor zu ändern.

Der sechste Doktor in seinem bunten Kostüm (Colin Baker, Foto: Pandastorm/BBC)
Der sechste Doktor in seinem bunten Kostüm (Colin Baker, Foto: Pandastorm/BBC)

Nummer 6 macht es einen aber auch wirklich nicht leicht: Er ist hochnäsig, ein wenig verrückt und das erste, was er macht, ist, seine aktuelle Companion Peri, die zu der Scream-Companion-Queen-Abteilung gehört und vermutlich nur wegen ihres attraktiven Dekolletees wegen ausgesucht wurde aber nicht ansatzweise eine interessante Geschichte wie Seven-of-Nine bei Star Trek Voyager aufweist, die aus ähnlichen Gründen gecastet wurde; äh … das erste was er also macht ist, Peri fast zu erwürgen. Und das nächste was die macht, ist bei ihm zu bleiben, weil es ja so aufregend hier ist, und sie sich ja nur an diesen anderen Doktor gewöhnen muss …Hust. Äh. Hust.

Dazu kommt ein Doktor-Kostüm, das aus dem Höhepunkt der Technicolor-Welle entstammen zu scheint, es ist … nun ja … eher eines Clowns würdig, und die beiden Fragezeichen am Hemdkragen sind auch nicht wirklich stylisch. Na ja, vielleicht reißen es ja die Episoden heraus …

21×07 „Zweimal Einstein“ („The Twin Dilemma“, 4×25 Minuten-Serial)

Der frisch regenerierte Doktor beginnt damit, sich seltsam zu benehmen und beweist auf der Suche nach einer Alternative der Cricket-Gemüse-Kleidung des fünften nun einen noch schrecklichen Modegeschmack, was ihm auch Peri bestätigt. Doch dieser lässt sich nicht beirren, probiert es mit ein paar Scherzen und ist plötzlich der Ansicht, dass Peri böse sei, weswegen er sie fast erwürgt. Er lässt nur von ihr ab, als er in einem Spiegel seine neue Gestalt erblickt.

Unterdessen sind sie auf einem Asteroiden, Titan 3 gelandet. Dorthin wurde gerade ein brillantes menschliches Zwillingspaar von einem Gastropoden namens Mestor entführt, der sie ausnutzen möchte, die notwendigen Kalkulationen vorzunehmen, mit denen die Eier seiner Spezies durch eine wohldosierte Sonnenexplosion quer über die ganze Galaxis verteilt werden können (ja, wirklich!). Und dann gibt es da noch einen anderen Zeitwanderer namens Azmael, der die Terrorherrschaft der Gastropoden zu beenden versucht und mit dem sich der Doktor und Peri verbünden.

„The Twin Dilemma“ wurde mehrfach zu dem schlechtesten Doctor Who-Serial überhaupt gewählt. Und ja: Es ist wirklich schlimm. Wirklich nur etwas für Hardcore-Whovians und keinesfalls empfehlenswert als Einstieg in die Serie. 

☆☆☆☆

22×01 „Angriff der Kybermänner“ („Attack of the Cybermen“, 2×45 Minuten-Serial)

Der Doktor will endlich den Chameleon-Schaltkreis der Tardis reparieren (was ihm nur bedingt gelingt) und landet dazu mal wieder auf dem Foremans Schrottplatz. Doch dort trifft er auf einige Kybermänner und einen alten Bekannten namens Lytton (den wir in Deutschland aber nie kannten, da die Serials des fünften Doktors hier nie liefen). Die Kybermänner wollen den Halleyschen Kometen* in die Erde lenken und Lytton scheint irgendwie da rein involviert zu sein. Kann man ihm trauen, schließlich hat er einst auch mit den Daleks kooperiert?

* Der Halleysche Komet kam tatsächlich der Erde ein Jahr später, 1986, bei seinem 76-jährigen Umlauf der Sonne am nächsten und war deutlich beobachtbar.

Dieser Doktor verwendet Waffen (Colin Baker, Foto: Pandastorm/BBC)
Dieser Doktor verwendet Waffen (Colin Baker, Foto: Pandastorm/BBC)

In Staffel 22 wurde von den 25-Minütigen Einzelfolgen auf 45-Minuten umgestellt, dafür bestehen die meisten Serials diesmal aber auch nur aus zwei statt vier Episoden*. Diese Folge mit den Kybermännern (wie die Cybermen im Deutschen übersetzt wurden) ist aber für Doctor-Who-Verhältnisse sehr gewalttätig. Sogar der Doctor selbst nutzt die Waffe eine Kybermanns mehrfach gegen seine Gegner, was sehr gegen seine sonst eher gewaltlose Art und Weise spricht. 

★★★☆☆

* Ein Muster, das gerade in der aktuellen achten Staffel von NuWho wieder aufgegriffen wurde und bei Kritikern wie Publikum sehr ankommt.

22×02 „Revolte auf Varos“ („Vengeance on Varos“, 2×45 Minuten-Serial)

Der Doktor braucht für seine Tardis etwas Zeiton-7, ein seltenes Erz, dass auf Varos existiert. Dort treffen er und Peri auf ein Volk, das seine Rebellen, aber auch seine Exekutive durch direkte Demokratie über ein interaktives Fernsehen steuert. Aber falls es mehrheitlich gegen jemanden votiert, auch diesen in einer grausamen Reality-TV-Show foltert …

Sil (Nabil Shaban), Peri (Nicola Bryant) und der Chief Officer (Forbes Collins) (Foto: Pandastorm/BBC)
Sil (Nabil Shaban), Peri (Nicola Bryant) und der Chief Officer (Forbes Collins) (Foto: Pandastorm/BBC)

Die Idee von einer tödlichen Fernsehshow zum Amüsement der Massen ist nicht neu, die Idee, dies auch mit einer Kontrolle der uninformierten und lenkbaren Masse, welche die Entscheidungen trifft, zu kombinieren ist deutlich kreativer. Hier stellen sich die regierenden Politiker dem ständigen Urteil und der Diktatur der Masse, die eigentlich nur darauf giert, dass sie die Politiker möglichst lange leiden lassen kann. Diese durchaus unterhaltsame* Episode reißt die Staffel doch sehr nach oben. 

★★★★

* Dazu gibt es hier den Einstand des Schauspieler Jason Connery als Rebell Jondar. Der Sohn von Schauspielerlegende Sean Connery schnupperte hier BBC-Luft und sollte ein Jahr später in der Robin Hood-Serie einsteigen, durch die er einige Berühmtheit erlangen sollte, und in der er ebenfalls oft sein Hemd verlieren musste.

22×03 „Die Rache des Meisters“ („The Mark of the Rani“, 2×45 Minuten-Serial)

Der Doktor trifft wieder einmal auf den Master (Anthony Ainley), der sich hier jedoch mit einem anderen Mitglied ihrer Spezies duelliert: Die Rani ist ebenfalls eine Zeitwandererin und absolut skrupellos bei ihren genialen Experimenten mit den Menschen des kleinen, viktorianischen Ortes Killingworth, der kurz vor der Industriellen Revolution steht. Doch drei Zeitwanderer an einem Ort zur selben Zeit kann nur Probleme bedeuten …

Die Rani (Kate O’Mara) hat sogar ein eigenes Tardis-Set, dass sie hier dem neidischen Master (Anthony Ainley) zeigt (Foto: Pandastorm/BBC)
Die Rani (Kate O’Mara) hat sogar ein eigenes Tardis-Set, dass sie hier dem neidischen Master (Anthony Ainley) zeigt (Foto: Pandastorm/BBC)

Die erste Begegnung mit der Rani ist genauso eindrucksvoll wie ihr Charakter und man wundert sich immer noch, warum es immer noch keine neuen Episoden mit ihr in NuWho gibt – wobei es dort ja nun ein wundervolle Missy gibt, die sich sehr stark an ihr orientiert. Die Rani ist einfach ein wundervoller soziopathischer verrückter Wissenschaftler, also ein perfekter Antagonist für den Doktor.  

★★★☆☆

Die Extras

DVD-Box
DVD-Box

Die sympathischen Bären bei Pandastorm Pictures haben sich entschieden, die Folgen des sechsten Doktors in drei Volumes zu veröffentlichen, um auch all die Zusatzmaterialien in gewohnt-erprobter hoher Qualität ausliefern zu können. Auf dem ersten Volume sind dies das letzte Serial aus der 21. Staffel von 1984, was tatsächlich das erste von Colin Baker ist, sowie die ersten drei der sechs Serials der 22. Staffel von 1985*. Grundsätzlich sind die DVDs aber abermals perfekt zusammengestellt mit allem untertitelten Bonusmaterial (über fünf Stunden allein) der UK-Original-Ausgaben. Für die Episode „Vengance on Varos“ ist sogar eine komtyplette weitere DVD mit dem Bonusmaterial abgestellt.

* Die weiteren Volumes werden daher voraussichtlich zum einen aus den letzten drei Serials der 22. Staffel, sowie zum anderen aus der 23. Staffel bestehen. Die 23. Staffel besteht ohnehin lediglich aus vier, aber dafür eng zusammenhängenden Serials.

„Doctor Who: Sechster Doctor Volume 1“ erscheint am 27.11.2015 bei Pandastorm Pictures auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Kritik: „Doctor Who: Die fünf Doktoren“ ­– das Jubiläumsspecial von 1983

Der fnfte Doktor (Peter Davidson) wollte sich eigentlich gerade etwas ausruhen, als er pltzlich zusammenbricht. Irgendetwas manipulierte seine Vergangenheit, genauer gesagt seine vorherigenRegenerationen, die aus dem Zeitstrom herausgerissen und in die Todeszone von Gallifrey gebracht wurden, zusammen mit denCompanions Susan (die Enkelin des Doktors), Sarah Jane Smith und Brigadier Lethbridge-Stewart.

Irgendeine Macht hat sie dort hingebracht und auch der Hohe Rat Gallifreys wurde bereits ber die Reaktivierung der Todeszone, dem Verschwinden der vorherigen Versionen des Doctors als auch ber die Schwchung des Auges der Harmonie informiert. Sie beschlieen, den Master, Erzfeind des Doktors, eine Begnadigung sowie ein komplett neues Set Regenerationen anzubieten, wenn er sich im Austausch bereiterklrt, in die Todeszone zu reisen und den Doktors zu helfen. Doch das Aufeinandertreffen all dieser Persnlichkeiten macht die Lsung des Problems nicht wirklich einfacher

Auch bei diesem Special hat Pandastorm wieder eine extra Bildmontage erstellen lassen, welche die DVD nahtlos in die Reihe zu den Verffentlichungen des siebten Doctor sich gesellen lsst.
Auch bei diesem Special hat Pandastorm wieder eine tolle Bildmontage erstellen lassen, welche die DVD sich nahtlos in die Reihe zu den Verffentlichungen des siebten Doctor gesellen lsst.

Das erste Jubilumsspecial mit Extra-Gaststar-Power

Zum 20-jhrigen Jubilum der Sendung wollte die BBC1983eine Episode in Spielfilmlnge produzieren, welche alle bisherigen Regenerationen des Doktors wieder zusammenbringen sollte. Die Idee erwies sich allerdings als etwas problematisch, zumal der Darsteller des ersten Doktors, William Hartnell, bereits acht Jahre zuvor verstorben war, und sich der Darsteller des vierten Doktors, Tom Baker, weigerte, in diesem Special mitzuwirken. Schlielich entschied man sich dazu, den ersten Doktor mit Richard Hurndall neu zu besetzen (William Hartnell taucht dennoch kurz in einem Rckblick mit Archivmaterial in der Vor-Vorspann-Szene auf) und den vierten Doktor nur kurz durch Drehmaterial aus dem leider nie-vollendeten Serial Shadaauftauchen zu lassen. Jon Pertwee und Patrick Troughton spielen jedoch beide wieder ihre markanten Versionen des Doktors und natrlich auch der damals aktuellefnfte Doktor wird abermals vom Sellerie-im-Revers-tragenden Peter Davidson gemimt.

Alle fnf, h, vier Doctors vereint (Fotos: Pandastorm Pictures)
Alle fnf, h, vier Doctors vereint (Fotos: Pandastorm Pictures)

Damit aber nicht genug, es tauchen am Laufenden Band weitere Figuren aus der Vergangenheit des Doktors auf, neben den aktuellen BegleiternTegan Jovanka (Janet Fielding) und Vislor Turlough (Mark Strickson), gibt es mehr oder weniger lange Auftritte von Sarah Jane Smith (Elizabeth Sladen), Susan Foreman (Carole Ann Ford), Brigadier Lethbridge-Stewart (Nicholas Courtney), Jamie McCrimmon (Frazier Hines), Zoe Heriot (Wendy Padbury), Colonel Crichton (David Savile), Liz Shaw (Caroline John), Captain Mike Yates (Richard Franklin), Lord Prsident Borusa (diesmal Philip Latham) natrlich vondemMaster(diesmal Anthony Ainley) und sogar von K-9 (Stimme von John Leeson).

Grundlagen fr den Mythos von heute

Trotz der mannigfaltigen Gaststars schafft es die Story sich nicht besonders zu verzetteln sondern gut zu unterhalten, setzt berraschende Wendungen und bietet auch einiges an Experimentierfreude. Und der haben wir auch heute noch einiges zu verdanken, denn diese Episode brachte vieles zum ersten Mal, was wir heute an Doctor Who lieben: Die Begegnung zwischen Begleiternunterschiedlicher ren, die erste Geschichte in der sowohl Daleks als auchKybermnner vorkommen, der Kommentar Oh, you have redecorated! I dont like it! und das zweite Mal berhaupt, dass es eine Szene vor dem Vorspann gab (seit den2005er-Jahren wurde dies nahezu Standard).

Gleichzeitig inspirierte diese Folge vieles von der modernen Serie spter, was sie umso sehenswerter auch fr Fans eben dieser 2005er-Periode macht: Das Siegel des Hohen Rates gert hier in die Hnde des dritten Doktors und taucht dann wieder in der letzten Episode des elften Doktors erst bei der Belagerung von Trenzalore wieder auf. Es wird erstmals davon geredet, dass der Rat einen neuen Zyklus von Regenerationen verleihen kann (bitte an dieser Stelle die krude deutsche bersetzung einfach nicht beachten, genauso wie die Idee, Sarah Jane immer nur als Sarah anzusprechen) und letztlich inspirierte sie auchwohl zuder 50-Jahre-Jubilumsfolge vor zwei Jahren.Der aktuelle Showrunner, Steven Moffat, hat sich hier jedenfalls sehr grozgig inspirieren lassen.

Sarah Jane Smith wurde wieder mit dem dritten Doctor zusammengebracht (Foto: Pandastorm Pictures)
Sarah Jane Smith wurde wieder mit dem dritten Doctor zusammengebracht, nachdem der vierte Doctor seinen Part in der Story ausschlug (Foto: Pandastorm Pictures)

Abermals vorbildliche Verffentlichung von Pandastorm

Das Cover von Doctor Who: Die Fnf Doktoren muss natrlich dem Titel entsprechend alle fnf Doktoren zeigen, wobei eigentlich nur vier mitspielen.
Das Cover von Doctor Who: Die Fnf Doktoren (Pandastorm Pictures) muss natrlich dem Titel entsprechend alle fnf Doktoren zeigen, wobei eigentlich nur vier mitspielen.

Die deutsche DVD-Verffentlichung ist, wie auch schon die anderen Verffentlichungen von Pandastorm zuvor, einfach nur zu sehr zu loben.

Sie beinhaltet drei DVDs, eine zeigt die Original-TV-Version in Englisch und grtenteils auch in Deutsch. Einige Teile wurden leider auch hier nie synchronisiert, da hierzulande nur die alternative TV-Version als Dreiteiler lief, der eine gute Viertelstunde Material fehlt. Diese gekrzte Version ist natrlich aber auch vorhanden (in Englisch und Deutsch). Dann noch dieunter Fans etwas umstrittene Extended Version aus dem Jahre 1995, bei der wiederum einige Stellen nur im Original zu hren sind und dann mit Untertiteln ausgeholfen wurde. Diese Extended Version beinhaltet zustzlich einen Audiokommentar sowie eine Extra-Untertitel-Spur im englischen Original mit vielen zustzlichen Infos zur Neufassung des Films. Letztlich noch eine dritte DVD nur mit den Extras, die aufgrund der Tonspuren und Versionen nicht mehr auf die anderenDVDs wie bei der Originalverffentlichung gepasst htten. Das Ganze als Amaray in einem Papp-Schuber ohne FSK-Logo mit einem mehrseitigen Infoheft mit Vorwort von Drehbuchautor Terrance Dicks. Man kann Pandastorm fr diese Verffentlichungen wie gesagt nicht genug loben!

Fazit

Eine sehr lohnenswerteFolge in einer sehr hochwertigen und liebevoll berarbeiteten Verffentlichung, der auch Fans der heutigen Serie viel abgewinnen knnen werden.

★★★★

Doctor Who: Die fnf Doktoren erscheint am 28. August2015 auf DVD bei Pandastorm Pictures. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Die 26. Staffel von Doctor Who – Echt Krass!

Mit der 26. Staffel von Doctor Who veröffentlicht Pandavision dann auch die dritte und letzte Staffel des siebten Doktors. Zuvor gab es sechs andere Doktoren und meine Rezensionen zu Staffel 24 (2) und Staffel 25. Und ich schreibe diese Einleitung eigentlich nur, damit ich auch die tolle Staffel-Collage zeigen kann, die es auch hier wieder gibt:

„Der Meister, Ace und der Doktor“ ist tatsächlich eine Beschreibung dieser Collage und nicht ein John le Carré-Buch.
„Der Meister, Ace, der Doktor und der Zerstörer“ ist tatsächlich die Beschreibung dieser Collage und kein John le Carré-Buch!

„Excalibur’s Vermächtnis“ (sic!, „Battlefield“, vierteiliges Serial/alternativ auch in Spielfilmfassung)

Auch in der 26. Staffel gibt es viel Rückbesinnung auf die lange Geschichte der Serie. Und wieder nimmt sie kaum Rücksicht auf Neueinsteiger und erklärt nicht, wer dieser Brigadier Sir Alistair Gordon Lethbridge-Stewart überhaupt ist, der am Anfang der Episode Pflanzen für seinen Ruhesitz-Garten einkauft. Und auch Bessie wird nicht groß erklärt, wurde aber völlig plotirrelevant eingebaut.

Ein letztes Mal steht Brigadier Lethbridge-Stewart (Nicholas Courtney) an der Seite des Doktors (Sylvester McCoy) (Foto: Pandavision/BBC)
Ein letztes Mal steht Brigadier Lethbridge-Stewart (Nicholas Courtney) an der Seite des Doktors (Sylvester McCoy) (Foto: Pandavision/BBC)

Das Fan-Herz jauchzt und wird gleich verwirrt, da es plötzlich einen weiteren Brigadier gibt: Winifred Bambera ist von UNIT eingesetzt  einen Atomraketen-Transport zu überwachen, als plötzlich mit Ancelyn ein Ritter König Artus* auftaucht. Doch er ist nicht allein, seine Gegner sind Mordred und dessen Mutter Morgaine, die ebenfalls aus einer anderen Dimension ihm folgten. Ein erbitterte Krieg um Excalibur, Artus Schwert, beginnt, und das direkt neben eine Atomrakete auszufechten ist keine wirklich gute Idee. Und als sie dann noch den Doctor erblicken, identifizieren sie auch noch ausgerechnet als Merlin …

* Ancelyn wurde als Name für die Serie erfunden, während Mordred, Morgaine und natürlich Excalibur und Artus selbst tatsächlich Teile der Artus-Saga in ihren unzähligen Reinkarnationen sind.

Wie Ben Aaronovitchs erstes Serial in der Staffel zuvor ist auch dieses tatsächlich ein ziemlich großer Spaß. Klar, es gibt wieder ein, zwei Plotlöcher, aber auf der anderen Seite gibt es wirklich gut sitzende Dialoge und gleichzeitig wird die Hintergrundgeschichte von Ace noch etwas vertieft – und sie darf wieder etwas in die Luft sprengen. Herauszuheben ist auch das Maskendesign des „Zerstörers“, das könnte auch heute noch so verwendet werden.

Die neuen Charaktere Ancelyn (Marcus Gilbert) und Brigadier Winifred Bambera (Angela Bruce) (Foto: Pandavision/BBC)
Die neuen Charaktere Ancelyn (Marcus Gilbert) und Brigadier Winifred Bambera (Angela Bruce) (Foto: Pandavision/BBC)

„Ihr Wasser, Sir, 5 Pfund bitte.“ – „Was war das?“ – „Nicht vergessen, wir sind in der Zukunft, Ace!“

Das Serial wurde in Großbritannien auch als Special Edition veröffentlicht, bei der man es neu als Spielfilm geschnitten hatte und diesen um mehrere Minuten verlängerte Szenen sowie einigen besseren Spezialeffekten versehen hatte. Auch dies darf der Besitzer der deutschen Serienbox anschauen, wobei bei die Zusatzszenen lediglich untertitelt sind und teilweise der Übergang zwischen dem Synchron- und Originaltonmaterial etwas holperig ist. Das hätte man aber nur durch eine Neusynchronisation lösen können, was hier aber Unfug gewesen wäre. Herauszuheben ist, wie offen Pandavision mit dieser Problematik umgeht. Als Zuschauer hat man die Wahl zwischen der Original-Version oder der Spielfilm-Version auf jeweils einer eigenen DVD. Besser kann man das nicht lösen.

★★★★

 

„Das Haus der tausend Schrecken“ („Ghost Light“, dreiteiliges Serial)

Der Doktor bringt Ace in ein Haus im viktorianischen London. Natürlich entpuppt es sich standesgemäß als Horror-Haus. Und offenbar hat der Doktor einen guten Grund, Ace hierher zu bringen, denn sie verbindet etwas mit diesem Haus – sie wird es als Teenager in über hundert Jahren in der Zukunft abgebrannt haben. Und natürlich ist auch in diesem Haus ein Raumschiff gestrandet, und es gibt Vampir-ähnliche Kreaturen und den letzten Neandertaler.

Der Außerirdische Licht (John Hallam, Foto: Pandavision/BBC)
Der Außerirdische Licht (John Hallam, Foto: Pandavision/BBC)

Man kann den klassischen Doctor Who-Folgen oft vorwerfen, dass sie einen Plot zu sehr auswalzen, diesem Serial hätte etwas mehr Zeit für Erklärung des Plots tatsächlich gut getan, er ist dann doch teilweise sehr verwirrend. Ein Extra auf der DVD hilft dann aber beim Verstehen und unter diesem Licht ist es tatsächlich ein eigentlich sehr guter Plot, der etwas mehr Struktur gut vertragen hätte können.

„Krass!“

Dies war die letzte Folge, die vor der damaligen Absetzung aufgezeichnet wurde, sie wurde allerdings früher gezeigt. In der deutschen Erstausstrahlung wurde sie dann übrigens tatsächlich am Ende gezeigt, warum auch immer. Schön ist dabei das Extra, in dem sich Sylvester McCoy und Sophie Aldred daran erinnern, dass McCoy in der letzten Szene eine kleine, aber sehr sinnvolle Änderung gemacht hatte, mit der er zeigte, dass auch Ace den Doctor beeinflusst hat.

★★★☆☆

 

„Die Todesbucht der Wikinger“ („The Curse of Fenric“, vierteiliges Serial/alternativ auch in Spielfilmfassung)

Während des zweiten Weltkriegs landen der Doctor und Ace an der nordenglischen Küste in einer Militärbasis, die ausgerechnet über einem alten Wikingergrab errichtet wurde. Der eigentlich für die Entschlüsselung von Nazi-Codes gedachte Supercomputer der Basis wird dann auch zur Entschlüsselung der Wikinger-Runen benutzt, die eine vergessene Macht schützen sollen – Fenrics Macht. Doch dahinter versteckt sich ein Großer Alter, der einst vom Doktor selbst mit Hilfe eines faszinierenden Schachproblems eingesperrt wurde.

Tolle Make-Up-Arbeit an dem Zerstörer (Marek Anton, Foto: Pandavision/BBC)
Tolle Make-Up-Arbeit an dem Zerstörer (Marek Anton, Foto: Pandavision/BBC)

Außerirdische Vampire, Wikingerrelikte, Nazis, Sowjetische Agenten, übermächtige Wesen – das muss ein Doctor Who-Plot sein (oder Indiana Jones wurde noch etwas fantastischer). Aber: Die Geschichte selbst ist auch trotz all dieser wirren Zutaten durchaus unterhaltsam und sticht dadurch hinaus, dass sie vorrangig direkt vor Ort an der Küste gedreht wurde.

Wie bereits „Excalibur’s Vermächtnis“ wurde auch „Die Todesbucht der Wikinger“ neben der normalen Fernsehfassung als vierteiliges Serial auch in einer Spielfilmversion mit zusätzlichen Szenen (12 Minuten), einigen Überarbeitungen und besseren Effekten herausgegeben, die auch hier auf einer weiteren DVD in der Box eingeschlossen ist.

★★★★

 

„Der Tod auf leisen Sohlen“ („Survival“, dreiteiliges Serial)

Zuhause auf der Erde will Ace schauen, was ihre alte Gang so treibt, muss aber feststellen, dass diese fast alle verschwunden zu sein scheinen – und für das Verschwinden scheinen Katzen verantwortlich zu sein. Kurze Zeit später werden die beiden auf einen anderen Planeten transportiert, der kurz vor seinem Ende steht, auf dem Katzenmenschen in ständigen Kämpfen verstrickt sind. Und treffen dort auf einen alten Bekannten wieder, der dort die Fäden zieht: Den Meister!

Anthony Ainley, der vierte Darsteller des Meisters (Foto: Pandavision/BBC)
Anthony Ainley, der vierte Darsteller des Meisters (Foto: Pandavision/BBC)

Ja, die Effekte dieser Folge sind schrecklich. Davon abgesehen ist die Folge aber sehr gut gealtert und würde im Prinzip auch heute noch funktionieren und schafft es den Charakterbogen von Ace zu einem schönen Ende zu bringen, auch wenn eigentlich die Produktionsreihenfolge eine andere war. Das war auch beabsichtigt, wie man in der wie immer großartigen Rückschau erfährt, die für die DVD produziert wurde, geplant war, dass Ace zur nächsten Staffel mit einer anderen Companion ausgewechselt würde.

Dazu kam es aber nicht mehr, Doctor Who wurde am Ende der 26. Staffel abgesetzt. Es folgte ein kleiner Versuch, die Serie mit einem neuen Doctor als TV-Film zu starten und erst 2005 sollte dann ein Neustart der Serie einen neuen Schub verschaffen.

„Irgendwo dort oben, brennt jetzt ein Planet, seine Meere kochen und seine Flüsse rasen. Aber bald wir der Rauch verwehen und der Wind wird wieder seine Lieder singen. Lieder des Friedens. Und Lieder der Wildnis. Eine Galaxie weiter wird irgendwo eine Kanne Tee kalt. Für uns beide, Ace, gibt es ’ne Menge zu tun!“

★★★★

 

Die Extras

DVD-Cover Doctor Who 7. Doktor Volume 3
DVD-Cover Doctor Who 7. Doktor Volume 3

Die Staffel ist insgesamt sehr gelungen und die Box-Veröffentlichung von Pandavision ist wieder perfekt, vor allen durch die zahlreichen Specials und die Spielfilm-Versionen, die alleine schon drei der sieben DVD-Scheiben füllen. Wieder verpasst der deutsche Fan durch die liebevoll gemachte Box nichts gegenüber der englischen Veröffentlichung. Das sollte zwar eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, aber gerade bei Nischenprodukten sind viele Verleger doch leider nur darauf aus, möglichst wenig Aufwand zu haben – aber es gibt, wie hier, rühmliche Ausnahmen.

Ein letzter Rückblick auf meinen ersten Doktor

Der siebte Doktor (Sylvester McCoy) und Ace (Sophie Aldred). Ich vermisse Euch schon wieder! (Foto: Pandavision/BBC)
Der siebte Doktor (Sylvester McCoy) und Ace (Sophie Aldred). Ich vermisse Euch schon wieder! (Foto: Pandavision/BBC)

Erstaunlicherweise habe ich beim Sehen der alten Folgen nur noch wirkliche Erinnerungen an zwei Serials gehabt: „Die Hand des Omega“ und „Der Tod auf leisen Sohlen“. Ich hätte eigentlich mit mehr Erinnerungen gerechnet, aber es ist halt wirklich 25 Jahre her.  Und sicher: Aus der Sicht der Spezialeffekte heute ist die Serie nicht gut gealtert, noch schlechter die bewusste Entscheidung der deutschen Synchronisation, Aces Slang mit damaliger deutschen Jugendsprache aufzumotzen. All das „Ätzend!“ und „Krass“ geht irgendwann schon auf den Senkel.

Aber: In allen Punkten gut gealtert ist auch Star Trek nicht, auch Next Generation hat heutzutage schon extrem starke Abnutzungserscheinungen. Dennoch gucke ich gerne auch in diese Serien noch einmal rein, denn neben dem Nostalgietrip kann man auch sehen, woher sich die Serienkultur von heute entwickelt hat. Und Doctor Who ist Kultfernsehen, immer noch sehenswert und wirkt vielfach angenehm entschleunigt. Und man kann noch immer viele Referenzen in der heutigen Serie auf ihre lange Vergangenheit entdecken.

„Doctor Who: Siebter Doktor Volume 3“ erscheint am 24. April 2015 auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Die 25. Staffel von Doctor Who – eine seltsame Wundertüte

Auch die zweite Staffel vom siebten Doktor (Sylvester McCoy) veröffentlicht Pandastorm auf einem prall gefüllten DVD-Set. Das erste Set habe ich mittlerweile meinen Kollegen und Experten vom Ausgespielt-Podcast zur Einschätzung ausgeliehen und mir wurde versichert, dass sie den englischen Veröffentlichungen in nichts nachstehen. Durch die Sammlung als Staffelboxen sind sie sogar deutlich günstiger und bequemer zu bekommen und bieten halt auch neben den Originalton die deutsche Synchronfassung der Folgen und abschaltbare Untertitel für alle Specials.

Die kunterbunte Staffel 25, oder in der deutschen Schreibweise: Die zweite Staffel vom siebten Doctor.
Die kunterbunte Staffel 25, oder in der deutschen Schreibweise: Die zweite Staffel vom siebten Doktor.
Ace (Sophie Aldred) übertrifft für mich nach wie vor alle anderen Companions. Allerdings war sie auch meine erste.
Ace (Sophie Aldred) übertrifft für mich nach wie vor alle anderen Companions. Allerdings war sie auch meine erste.

Weiterhin ist die in der letzten Folge der vorherigen Staffel eingeführte Sophie Aldred als Companion Ace dabei und ja, sie bleibt eine der besten Companions die ich kenne und ich hoffe weiterhin, dass es ähnlich wie mit Liz Sladen beim zehnten Doktor beim aktuellen Doktor irgendwann einen Gastauftritt für Aldred geben mag. Aber das bin vielleicht nur ich.

Die zweite Staffel vom siebten Doktor ist dann auch die 25. Staffel überhaupt, und gleich zu Beginn gibt es eine direkte Anknüpfung an den Beginn der Serie 1963.

Die Box umfasst gleich fünf DVD, wobei eine „nur“ mit Bonusmaterial gefüllt ist und kein eigenes Serial beinhaltet, bleiben derer vier, die ich hier im folgenden kurz bewerte:

„Die Hand des Omega“ (vierteiliges Serial, im Original: „Rememberance of the Daleks“)

Der Doktor und Ace treffen im Staffelauftakt auf Daleks, die gerade eine britische Schule der 1960er-Jahre eingenommen haben. Aber nicht irgendeine Schule, sondern die Schule, in der einst die Abenteuer des Doktors überhaupt begannen.* Der Doktor hat hier etwas damals liegenlassen, und wie ein Zeitreisender so ist, ist es ziemlich egal, wann er daran denkt, das abzuholen, Hauptsache, er denkt irgendwann mal dran, auch wenn es sechs Regenerationen später ist.

* Dem Doktor wird sogar als Drehbuchgag vom Rektor der Schule der Job des Hausmeisters angeboten, was dieser jedoch ablehnt. Spaßigerweise übernimmt der zwölfte Doktor in der achten Staffel von NuWho eben diese Funktion.

Es stellt sich aber heraus, dass in der Schule nicht nur eine Gruppe von Daleks eingedrungen ist, sondern gleich zwei konkurrierende. Und so geraten der Doktor und Ace zwischen die feindlichen Linien zweier Gruppierungen mörderischer Blechbüchsen.

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Für die Jubiläumsstaffel sind die Daleks natürlich die richtigen Gegner.

 

Ich fürchte, ich hab’ mich verrechnet! – Der Doktor.

Eine perfekte Folge von Ben Aaronovitch, der viele Jahre später durch die empfehlenswerten Urban-Fantasy-Romane der „Die Flüsse von London“-Reihe Bekanntheit erlangen sollte.

Sie sprüht voller vieler Details und Anspielungen auf ältere DW-Folgen, und geht auf die für die damalige Zeit noch typischen Anekdoten ein, wie dem nicht-dezimalen Zählsystem der britischen Währung oder einem Fenster-Schild in einer Pension, welche klarstellt nicht an Dunkelhäutige zu vermieten. Die Serie beendet den Running-Gag der Whovians, dass Daleks keine Treppen steigen können, ein für alle mal in dem sie einen Dalek einen Schwebeantrieb verpasst. Und sie hat einer der besten Szenen eines Doctor-Who-Companion überhaupt: Ace darf mit einem (vom Doktor entsprechend aufgemotzten) Baseball-Schläger einen Dalek kaputt hauen! Ich muss zugeben, als ich die Folge damals im TV geschaut habe, habe ich mich richtig in Ace verguckt!

So geht Doctor Who: Vollgestopft mit Selbstreferenzen, eine spannende Story mit in Erinnerung bleibenden Handlungen und Daleks. 

★★★★★

„Die Macht der Fröhlichkeit“ (dreiteiliges Serial, im Original: „The Happiness Patrol“)

Der Doktor und der „Kandy Man“
Der Doktor und der „Kandy Man“

Auf einer Kolonie treffen der Doktor und Ace auf eine totalitaristische Gesellschaft, in der Diktatorin Helen A jede Form von Elend auszurotten versucht. Eine Fröhlichkeitspolizei jagt sämtliche „Spaßverderber“ und ein Scharfrichter-Roboter namens Kandy Man sorgt ebenfalls dafür, Helen As Plan umzusetzen. Wer nicht unterhaltsam ist, wird getötet. Natürlich nimmt die Tardis-Besatzung den Kampf auf.

Das gleiche Thema, Unterhaltungszwang, nimmt das vierte Serial dieser Staffel sich besser vor. So bleibt eine sehr trashige Folge, die vor allem durch den Kandy Man stark runtergezogen wird. 

★★★☆☆

„Das Vermächtnis der Nemesis“ (dreiteiliges Serial, im Original: „Silver Nemesis“)

Eine der letzten Verteidigungsbastionen von Gallifrey war eine Statue, die Rassilon selbst gebaut hatte. Der Doktor hatte sie einst selbst in einen Asteroiden in den Orbit geschleudert, von wo sie nun, Jahrhunderte später, wieder landen wird und das in unmittelbarer Nähe von Windsor Castle.

Eigentlich Formidable Gegner, die hier etwas untergehen: Die Cybermen (hinter Ace und dem Doktor)
Eigentlich formidable Gegner, die hier etwas untergehen: die Cybermen (hinter Ace und dem Doktor).

Wir packen Cybermen, Neo-Nazis und magische Besucher aus dem 17. Jahrhundert in ein Serial. So etwas vermag nur Doctor Who. Aber: So etwas mag auch nur Doctor Who zu verbocken. Hier packen sie einfach zu viel in die verwirrende Story und vor allem die ikonischen Cybermen bleiben leider etwas auf der Strecke. 

★★★☆☆

„Die Todesmanege auf Segonax“ (vierteiliges Serial, im Original: „The Greatest Show in the Galaxy“)

Unterhaltung finden Sie dort. Oder auch ihren Tod. Ist das nicht das selbe?
Was einen bei Serien aus den 80ern immer wieder auffällt: Dauerwellen-Galore.

„Sie sind entsetzlich langweilig!“ – Der Doktor

Der Doktor empfängt eine Spam-Nachricht. „Ja ja, die Werbung findet Dich überall“. Diesmal für einen Zirkus, der „die größte Show in der Galaxis“ präsentieren soll, den der Doktor und Ace natürlich besuchen. Sie sind dort zwar nicht die einzigen Gäste, aber die Menge der Gäste ist schon recht reduziert – was auch kein Wunder ist, da dieser Zirkus seine Gäste selbst in die Manege zerrt und, wenn sie dort nicht unterhalten, tötet.

Nette und typische Geschichte, für heutige Sehgewohnheiten etwas zu ausufernd erzählt, aber das gilt ja im Prinzip für alle Old-Who-Folgen. 

★★★★

Das Bonusmaterial

„Na so etwas – mein Tee ist kalt geworden. Seltsam!“

Die DVD-Box mit Papp-Umhüllung mit ablösbaren FSK-Logo.
Die DVD-Box mit Papp-Umhüllung mit ablösbaren FSK-Logo.

Das Bonusmaterial hierzu ist wieder extrem umfangreich. Jede Folge wird mit einer ausführlichen Retrospektiv-Dokumentation begleitet, die an den jeweiligen Folgen Beteiligte zu Wort kommen, auf ihre damalige Zeit zurückblicken und viele Insider-Infos verraten lässt, Deleted Scenes und sogar die Ansagen der BBC-Inserts von damals, oder einen moderierten Presserückblick auf die vernichtenden Kritiken der „Fleet Street“. Dazu kommt diesmal auch eine komplette weitere Bonus-DVD mit einem Special rund um Davros. Sehr viel besser kann man dem nicht gerecht werden. 

★★★★★

„Doctor Who: Siebter Doktor Volume 2“ erschien am 27. Februar 2015 auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Neuer Doktor, neuer Schwung – Die achte Staffel Doctor Who

Auf Blu-Ray bietet die deutsche Fassung der achten Staffel von New Who (bzw. die 34. Staffel insgesamt) sogar mehr als das UK-Pendant: Die erste Weihnachtsfolge mit Peter Capaldi, die man in Großbritannien derzeit noch separat erwerben darf, sowie endlich auch einige Specials, die uns bisher vorenthalten wurden.

Clara (Jenna Coleman) muss sich erst an den neuen Doktor (Peter Capaldi) gewöhnen. (Foto: Polyband/BBC)
Clara (Jenna Coleman) muss sich erst an den neuen Doktor (Peter Capaldi) gewöhnen. (Foto: Polyband/BBC)

Aber erstmal zum neuen Doktor. Ich gebe es zu: Ich hatte mit keinem Doktor bisher sowenig Probleme am Anfang gehabt wie mit Capaldis. Nach drei jüngeren Doktoren ist der zwölfte Doktor einfach ein lang ersehnter Kontrapunkt für alle, die auch Old-Who kennen und lange schon auf einen älteren Doktor hofften. Und was für ein Kontrapunkt: Dieser Doktor ist endlich mal kein Love-Interest für seine Begleiterin, sondern hat sogar starke Probleme mit menschlicher Zuneigung umzugehen. Und er zeigt endlich wieder seine dunkle Seite: die Seite des Wahnsinnigen in einer Zeitmaschine, der zu oft über Leben und Tod entscheiden musste. Gleichzeitig kanalisiert Capaldi aber auch die überschäumende Energie von Smith, die Ungestümheit von Tennant und die Begeisterungsfähigkeit von Ecclestone – und er hat nimmt auch endlich wieder einen Löffel zur Hand*.

* Wobei eigentlich zwei Löffel authentischer gewesen wären.

Und einer der größten Problempunkte der letzten Smith-Folgen wird auch ausgemerzt: Companion Clara bekommt endlich richtig etwas tun und ist nicht nur ein einfaches Plot-Device. Sie ist endlich ein Mensch mit Stärken und Fehlern, und kommt in das Dilemma ihr normales Leben und ihr Leben an Bord der Tardis jonglieren zu müssen. Sie war einer der Schwachpunkte der zweiten Hälfte der siebten Staffel und, wie Showrunner Steven Moffat diese Woche einräumte, hatte auch bereits an einen Ausstieg aus der Serie gedacht, blieb dann aber doch der Serie treu und wird auch in der kommenden neunten Staffel wieder dabei sein.

Capaldi probiert sich auch mal als „Raggedy Doctor“ (Foto: Polyband/BBC)
Capaldi probiert sich auch mal als „Raggedy Doctor“ (Foto: Polyband/BBC)

Die Episoden im Einzelnen

Kleiner Warnhinweis: Wie immer versuche ich größere Spoiler hier möglichst zu vermeiden, kann sie aber nie ganz ausschließen.

8×01 „Tief Durchatmen“ („Deep Breath“): Die Einführung des neuen Doctors im viktorianischen England ist von den Effekten her beeindruckend, aber die Story ist dann doch etwas zu vollgestopft und ausgerechnet zum tiefen Durchatmen kommt man gar nicht. 

★★★★

8×02 „Mission Dalek“ („Into the Dalek“): Kann man ein Gewissen ausschalten? Das von Daleks offenbar, wie bei der wunderbaren Miniatur-Reise festgestellt wird. Der interessantesten moralischen Konsequenz aus dieser Frage stellt sich aber weder der Autor und so auch nicht der Doctor. Schade. 

★★★☆☆

Tom Riley spielt Robin Hood, der ja eigentlich gar nicht existiert, meint jedenfalls der Doctor (Foto: Polyband/BBC)
Tom Riley spielt Robin Hood, der ja eigentlich gar nicht existiert, meint jedenfalls der Doctor (Foto: Polyband/BBC)

8×03 „Roboter in Sherwood“ („Robot of Sherwood“): Auch wenn viele andere meiner Freunde die Folge mochten – ich war hier tief enttäuscht, wie eigentlich von jeder Folge von „Sherlock“-Mitautor Mark Gatiss. Sie bringt zwar zeitweise Spaß ist aber letztlich mal wieder ein buntes Kuddelmuddel, und bekommt eigentlich nur wegen des Löffels noch 

★★★☆☆

Der Doktor hat eine neue Leidenschaft für Diagramme auf Kreidetafeln entdeckt (Foto: Polyband/BBC)
Der Doktor hat eine neue Leidenschaft für Diagramme auf Kreidetafeln entdeckt (Foto: Polyband/BBC)

8×04 „Hör zu“ („Listen“): Eine nahezu perfekte Episode. Moffat vermag es doch noch, gute Episoden zu schreiben und diese verdient es auf einem Level wie „Don’t Blink“ genannt zu werden. 

★★★★★

8×05 „Verschlusssache“ („Time Heist“): Warum bisher mit dem Motiv des vielschichtigen Heist-Films, der regelmäßig Wendungen mit sich bringt, bei Doctor Who noch niemand angekommen ist, bleibt eine Frage, bringt doch gerade diese Folge einfach viel Spaß und gleichzeitig genügend weitere Charaktere mit, die ich gerne weiter als Companions gesehen hätte. 

★★★★★

8×06 „Der Hausmeister“ („The Caretaker“): In „Rememberance of the Daleks“ wurde Sylvester McCoys Doktor vom Rektor der Coal Hill School gefragt, ob er sich denn als Hausmeister bewerben möchte. Nun ja, Timelords überlegen halt manchmal etwas länger und die Tatsache, dass er nun, sechs Regenerationen später, das Jobangebot endlich annimmt, ist schon eine tolle Idee allein. Besser ist das, was Capaldi daraus macht. 

★★★★

8×07 „Tötet den Mond“ („Kill the Moon“): Es ist okay, dass der Doctor bisweilen düstere Entscheidungen trifft, die man nur schwer nachvollziehen kann. Aber dass er sich nicht in das Schicksal der Menschen einmischen möchte ist so dermaßen weit weg von dem, was er regelmäßig Woche für Woche macht … Und dazu kommen dann ein paar grundsätzliche Fragen von Himmelsmechanik, die die Folge einfach vermiesen. 

★★★☆☆

Eine der Highlights der Staffel: Mumien im Weltall (Foto: Polyband/BBC)
Eines der Highlights der Staffel: Mumien im Weltall (Foto: Polyband/BBC)

8×08 „Die Mumie“ („Mummy on the Orient Express“): Agatha Christie ist der Doctor ja bereits in der vierten Staffel getroffen, jetzt trifft er gleich noch auf ihre berühmteste Geschichte und gleichzeitig einem irrwitzigen Set-Design. Dazu eine durchweg spaßige Story. 

★★★★

8×09 „Hinter den Wänden“ („Flatline“): Die Idee, den Doctor in seiner Tardis einzusperren und stattdessen Clara in der Funktion des Doctors agieren zu lassen ist klasse, dazu kommen die wohl interessantesten neuen Monster-Kreationen seit zwei Staffeln. 

★★★★★

8×10 „Ruf der Wildnis“ („In the Forest of the Night“): Öh, ja. Vergessen wir die Folge lieber schnell mal wieder. Der Schulausflug ist zwar noch ganz amüsant, aber die Auflösung ist sogar für Doctor Who gerade zu hahnebüchend. 

★★☆☆☆

Die Auflösung, was Missy angeht im großen Finale (Foto: Polyband/BBC)
Im großen Staffelfinale erhalten wir endlich die Auflösung, was die mysteriöse Missy angeht (Foto: Polyband/BBC)

8×11 „Dunkles Wasser (1)“ („Dark Water (1)“) und 8×12 „Tod im Himmel (2)“ („Death in Heaven (2)“): Das zweiteilige Staffelfinal ist wieder ganz großes Tennis. Ich freute mich wie ein kleines Kind, dass ich Recht behalten sollte, was den Charakter von Missy anging. Und war gleichzeitig begeistert, dass ich die Herkunft des Firmen-Logos nicht erkannt hatte*. War traurig, einen meiner liebsten Nebencharaktere verloren zu haben, bekam einen Kloß im Hals, als sich die Serie vor dem Brigadier verbeugte und übersah beim ersten Ansehen glatt, dass sie den Vorspann der 12. Folge modifiziert hatten und Jenna Coleman erstmals zuerst genannt wurde. Großes Tennis. 

★★★★★

* Ja, ich freue mich darüber, wenn ich von Wendungen kalt erwischt werde, die gut vorbereitet waren und man hätte vorausahnen können. Passiert mir leider immer seltener.

Insgesamt bekam die 8. Staffel damit von mir im Durchschnitt sehr gute 7,4 Sterne.

Weihnachtsspecial 2014 „Hereingeschneit“ („Last Christmas“): Was für eine Mischung: Facehugger-Traum-Krabben, der Weihnachtsmann, Arktisstationen, Clara im schlechten Alters-Make-Up, der Weihnachtsmann, Elfen, Schlitten-ziehende Rentiere, Orangen und … erwähnte ich den Weihnachtsmann? Das alles passt eigentlich so gar nicht zusammen und eben doch. Vielleicht nicht die beste Weihnachtsfolge (das dürfte für mich bisher „A Christmas Carol“ (2010) sein), aber sie bringt Spaß, ist ausreichend chaotisch und weihnachtlich gleichzeitig. Und sie hat Nick Frost (den Weihnachtsmann). 

★★★★

Extras: Wie bei Doctor Who mittlerweile üblich platzen die Scheiben nur so voller Bonus-Materialien. Neben den obligatorischen Set-Berichten und Interviews sind hier vor allen hervorzuheben: „The Ultimate Timelord“ und „The Ultimate Companion“, in der Peter Davidson (der fünfte Doktor) Antworten auf die Frage „Was macht den Doktor/die Companions aus“ Antworten sucht, und „The Five(ish) Doctors Reboot“, einem kleinen Special, ebenfalls von Peter Davidson produziert, in dem er einen eigenen Anteil am 50. Jubiläum der Serie haben möchte und dazu eine Mockumentary mit vielen Gastauftritten allerhand Doctor Who-Prominenz inszeniert.

Darüberhinaus gibt es das Prequel zur ersten Episode, das bisher nur bei der Kinoaufführung gezeigt wurde und Strax dabei zeigt, wie er die unterschiedlichen Regenerationen des Doctors einsortiert. 

★★★★

Die deutschen Boxen werden immer besser

Insgesamt eine rundum gelungene Box deren Anschaffung nicht nur wegen der besseren Bildqualität gegenüber den Streaming-Anbietern vorzuziehen ist, sondern auch aufgrund der vielen Extras und der bereits vorhandenen Weihnachtsfolge von 2014 ein Muss für alle Whovians darstellt.

„Doctor Who – Staffel 8 – Komplettbox“ erscheint am 13. März 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray-Box freundlicherweise vorher als Rezensionsexemplar erhalten.

Doctor Who – der siebte Doctor ist endlich wieder zurück in Deutschland (2)

Nachdem es zum Deutschland-Start der DVDs der ersten Staffel des siebten Doctors nicht ganz gereicht hatte, alle vier Serials zu schauen, habe ich die letzten drei nun nachgeholt, und auch ein Großteil der Bonus-Features begutachtet.

Der Fluch des Kroagnon (4-teiliges Serial, im Original: „Paradise Towers“)

Der Doctor und der Chef  der Hausmeister. Foto: Pandavision/BBC Germany
Der Doctor und der Chef der Hausmeister. Foto: Pandavision/BBC Germany

Mel möchte eigentlich nur den luxuriösen Swimmingpool auf der Dachterasse des futuristischen Wohnkomplex’ „Paradise Towers“ genießen, als die TARDIS aber dort landet, ist von den Versprechungen der Werbevideos wenig zu merken. Die viele hundert Stockwerke große Anlage wird von unterschiedlichen Fraktionen belagert: Den in unterschiedlichen farben strukturierten Mädchen-Graffiti-Gangs „Kangs“, der Gruppe der „netten, alten Damen“ und den „Hausmeistern“, die mehr die Funktion von „Judge Dredd“-Polizisten einnehmen, während Roboter die Aufräum-Arbeiten in den vielen Korridoren erledigen.

Die Hausmeister nehmen den Doctor gefangen, da sie ihn fälschlicherweise für den Großen Architekt Kroagnon der Anlage halten, der nach all den Jahren zurückgekommen ist. Mel trifft unterdessen auf Kannibalinnen und einen feigen Rambo-Verschnitt namens Pex, der sie eigentlich retten will, aber halt feige ist.

★★★☆☆

– Der Darsteller des Chef-Hausmeisters war offenbar überzeugt, in einer schrecklichen Parodie von Kinderfernsehen aufzutreten, übertreibt maßlos und zieht die eigentlich nette Storyidee ziemlich runter. Das ist aber halt auch Doctor Who bisweilen: unglaublich albern.

Delta und die Bannermänner (3-teiliges Serial, im Original: „Delta and the Bannermen“)

Die letzte Überlebende Delta Foto: Pandavision/BBC Germany
Die letzte Überlebende Delta Foto: Pandavision/BBC Germany

Mel hat noch nicht genügend Urlaubstimmung im Paradise Towers gefunden und entschließt sich, einer intergalaktischen Zeitreise-Touristen-Gruppe anzuschließen, die als Ziel Disneyland im Jahre 1959 auf der Erde hat. Natürlich stilsicher getarnt in einem fliegenden Zeitreisebus geht es los, während der Doctor es vorzieht, mit seiner TARDIS hinterherzufliegen.

Unter den Passagieren hat sich allerdings auch die letzte Überlebende eines Genozids durch die Bannermänner gemischt, die sich auf der Flucht vor ihren Verfolgern befindet. Leider zwingt eine Kollision mit einem US-Satelliten (wer konnte denn ahnen, dass diese dummen Erdlinge jetzt schon Satelliten bauen?) zu einem Beinahe-Crash, den der Doctor gerade noch verhindern kann. Die Reparatur müssen sie aber nicht im Disneyland, sondern in Wales schaffen, wo die Touristen im Shangri-La Urlaubscamp solange Unterschlupf finden. Doch die Bannermänner sind bereits dicht hinter ihnen …

★★★★

– Klar, eine Doctor Who-Folge im Disneyland kann es realistischerweise nicht geben, solange Disney sich diese Lizenz nicht auch einverleibt hat, dennoch hätte ich das gerne gesehen. Die Folge ist aber dennoch sehr unterhaltsam, zeigt den Doctor beim Motorrad fahren und bringt, obwohl sie alles andere als makellos ist, durchaus einfach Spaß durch viele kleine Ideen und dem Produktionsdesign. 

Das Feuer des Drachen (3-teiliges Serial, im Original: „Dragonfire“)

Der intergalaktische Pirat Glitz (Tony Selby). Foto: Pandavision/BBC Germany
Der intergalaktische Pirat Glitz (Tony Selby). Foto: Pandavision/BBC Germany

Der Doctor und Mel landen in einen Supermarkt. Einen intergalaktischen Supermarkt namens Iceworld natürlich, der auf der dunklen Seite eines Planeten im ewigen Eis gebaut wurde. Dort treffen sie auf einen alten Bekannten: Sabalom Glitz, einen Weltraum-Piraten, der gerade große Geldsorgen durch ein Pokerspiel hat und dem der böse Kolonie-Boss Kane sein Schiff „Nosferatu“* wegzunehmen droht. Er hat aber einen typischen Piraten-Plan: Er will einen Schatz suchen, der hier irgendwo liegen soll, er hat sogar eine Schatzkarte mit Siegel.

* Nosferatu und Glitz zusammen animieren wirklich zu einen schrecklichen Popkultur-Witz, auf den ich hier natürlich verzichte …

Eine junge Kellnerin namens Ace (Sophie Aldred) wird auf die drei aufmerksam und schließt sich kurzerhand an, praktischerweise ist sie auch noch Sprengstoffexpertin. Was sie nicht wissen: Das Siegel in der Schatzkarte ist mit einem Peilsender ausgestattet, denn der unterkühlte Kane selbst will den Schatz auch haben und manipuliert Glitz gezielt in die entsprechende Richtung.

★★★★

– Die Folge gewinnt deutlich dadurch, dass hier die neue Companion Ace eingeführt wird und Mel sich entscheidet, eigene Wege zu gehen. Sylvester McCoy gibt dem Doctor wieder neue Facetten mit, er ist eigentlich der abenteuersuchende Junge, der einen Schatz suchen und einen Drachen sehen will, zeigt aber auch einen Doctor, dem der Abschied von Mel sichtlich schwer fällt, obwohl er nach außen die lustige Fassade bewahrt. Soviel aus einem eigentlich recht simplen Skript rauszuholen ist durchaus beeindruckend.

Die Begleiter (Companions)

Begegnung zweier Companions: Mel Bush (Bonnie Langford) und Ace (Sophie Aldred). Foto: Pandavision/BBC Germany
Begegnung zweier Companions: Mel Bush (Bonnie Langford) und Ace (Sophie Aldred). Foto: Pandavision/BBC Germany

Ja, ich bin mit Mel einfach nicht warm geworden, das ist kein Geheimnis. In einen der Extras auf der DVD wird auch gut auf dem Punkt getroffen, warum: Es gibt bei (Classic-) Doctor Who zwei Arten von Companions: Die, die schreien und die, die kämpfen. Mel war eine regelrechte Scream-Queen, die in allen vier Folgen kaum Profil gewann, eigentlich nur von einem Problem ins nächste schritt und eine Persönlichkeit aufwies, gegenüber der eine Scheibe Toastbrot weniger blaß aussieht (eine nicht-geröstete Scheibe).

Ace ist hingegen meiner Meinung nach einfach eine der beste Companions überhaupt und bereits auf den ersten Metern zeigt sie soviel mehr interessantes Profil und Hintergrundstory. Sie stammt zwar von der Erde, wurde aber von dort durch einen Zeitsturm weggerissen und heißt praktischerweise auch noch eigentlich Dorothy, konnte diesen Namen aber nie leiden, weswegen ihr ganz klar war, dass ihre Eltern gar nicht ihre wirklichen Eltern sein konnten. Sie ist nach außen ein punkiger und rebellischer Teenager, gleichzeitig aber auch Nerd und Geek und hat im Kunstunterricht Nitro explodieren lassen – um die Vergänglichkeit der Kunst zu demonstrieren natürlich. Solche Details kommen Schlag auf Schlag, gleichzeitig ist es Ace, die hier den Plot maßgeblich vorantreibt, die wichtigen Entscheidungen trifft, und und und.

Und: Sie hat auch noch coole Sprüche drauf: „Das ist kein echter Drache, der schießt mit Laserstrahlen!“ – „Wirklich? Ätzend!“ – „Ich fühl mich irgendwie so nackt, wenn ich nicht ein paar Flaschen Nitro-Neun dabei hab’!“. Schon in dieser ihrer ersten Folge beginnt sie auch den Doctor immer wieder „Professor“ zu nennen, warum auch immer.

Die Umsetzung als deutsche DVD-Box

Die erste Staffel des siebten Doctors, bzw. die 24. Staffel von Doctor Who insgesamt, jetzt auf DVD überall erhältlich, Bild: Pandavision/BBC Germany
Die erste Staffel des siebten Doctors, bzw. die 24. Staffel von Doctor Who insgesamt, jetzt auf DVD überall erhältlich, Bild: Pandavision/BBC Germany

Ich hatte es ja bereits schon geschrieben, die deutsche DVD-Box ist sehr gut und professionell umgesetzt und steht den UK-DVD in nichts nach, da alle mir bekannten Extras komplett erhalten sind und komplett untertitelt sind.

Mein Eindruck von der Box bleibt auch weiterhin äußerst positiv und ich sehe schon gespannt auf die weiteren Veröffentlichungen der weiteren zwei Staffeln des siebten Doctors entgegen.

Offenlegung: Ich habe die Box freundlicherweise bereits etwa eine Woche vor der Veröffentlichung als Rezensionsexemplar erhalten.

Doctor Who – der siebte Doctor ist endlich wieder zurück in Deutschland (1)

Mein erster Doctor war McCoy

1989 brauchte das noch junge Privatfernsehen, genauer gesagt der Sender „RTL plus“, der mittlerweile auf das „plus“ in seinem Namen verzichtet, viel Material für ihr Programm. In den USA einzukaufen wurde mittlerweile immer teurer, zumal auch die konkurrierenden Sender dort am Shoppen waren, aber es gab ja da noch diese in Großbritannien mittlerweile seit 26 Jahren erfolgreich laufende Kinder-Serie namens „Doctor Who“. Kaum hatte RTL die Serie für sein Kinder-Programm erworben, wurde sie in GB auch schon abgesetzt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der siebte Doctor, Sylvester McCoy, Foto: Pandavision/BBC Germany
Der siebte Doctor, Sylvester McCoy, Foto: Pandavision/BBC Germany

Meine Eltern hatten damals endlich Satellitenfernsehen angeschafft – nachdem ich ihnen jahrelang in den Ohren gelegen hatte, dass wir Kabelfernsehen brauchen. Ja, sie hören auch heute selten auf mich. Endlich hatte ich so auch mal Zugriff auf das Privatfernsehen und hatte als 13-jähriger gerade meine Science-Fiction-Phase (die ehrlicherweise bis zum heutigen Tage nicht richtig abgeklungen ist, was mich aber auch nicht wirklich ärgert). Und ich nahm begierig jedes Stück SF mit, dass mir über den Weg lief. So war es also kein besonderer Zufall, dass ich auf „Doctor Who“ stoß und damit Sylvester McCoy, der siebte Doctor, mein erster Doctor überhaupt war.

Um ehrlich zu sein – ich erinnere mich nur noch an wenige Details. Eigentlich nur daran, dass er eine Begleiterin namens Ace hatte, die mit einem Baseballschläger auf „komische außerirdische Fahrzeuge“ (Daleks) einschlug und überhaupt ziemlich cool war. Der Hauptprotagonist hingegen war ein ziemlicher Clown, wenn auch ein recht sympathischer. Erst über 15 Jahre später begegnete ich wieder dem Doctor im Remake und bin jetzt auch ein Fan.

Letztes Jahr feierte die Serie ihr 50-jähriges Jubiläum und zelebrierte dabei auch eine Rückschau auf eine sehr lange Tradition. Und dabei wurde dann auch einiges an Erinnerung bei mir geweckt. Um so mehr freue ich mich, dass Pandastorm Pictures die alten Folgen, die damals RTL synchronisiert hatte, nun wieder herausbringt, samt den umfangreichen Bonusmaterial der britischen DVD-Sets. Ich hatte bereits Gelegenheit, in das erste Box-Set der 24. (!) Staffel der Serie hineinzublicken, was die erste Staffel des siebten Doctors entspricht.

„Terror auf Lakertia“ (4-teiliges Serial, im Original: „Time and the Rani“).

Die Tardis wird getroffen und muss auf dem Planeten Lakertia crashlanden, weswegen der Doctor (Sylvester McCoy, mittlerweile einem größeren Publikum bekannt als „Radagast“ aus den „Hobbit“-Filmen), aber nicht seine Begleiterin, stirbt und regeneriert*.

* Da der ausgebootete sechste Doctor-Darsteller, Colin Baker, nicht für die Regenerationsszene zur Verfügung stand, musste McCoy selbst mit problematisch sitzender blonder Locken-Perücke für die Szene seinen bewusstlosen Vorgänger mimen.

Kate O’Mara und Sylvester McCoy als die Rani und der Doctor, Foto: Pandavision/BBC Germany
Kate O’Mara und Sylvester McCoy als die Rani und der Doctor, Foto: Pandavision/BBC Germany

Der Doctor trifft erneut auf „die Rani“ (Kate O’Mara), allerdings verhindert der postregenerative Stress und ein von ihr gezielt eingesetztes Amnesiemittel, dass er sie erkennt. Sie gibt sich als seine Begleiterin „Mel Bush“ aus (im ersten Moment etwas verwirrend für jemand, der die wirkliche Mel noch nicht so richtig kennt), während das Original von Mel (Bonnie Langford) draußen ziellos durch die obligatorische Kiesgruben-Landschaft* wandert und von Zeit zu Zeit dort auf fiese Fallen tritt.

* „Stargate SG-1“ hat seine Kiefernwälder, „Doctor Who“ hat Kiesgruben als bevorzugte Drehorte

Wanda Ventham als Faroon, eine Lakertianerin, Foto: Pandavision/BBC Germany
Wanda Ventham als Faroon, eine Lakertianerin, Foto: Pandavision/BBC Germany

Aber was genau hat die Rani vor? Für welchen diabolischen Plan braucht sie das brillante Hirn des Doctors? Und wieso sind ihre Handlanger in zwei Gruppen unterschiedlicher Außerirdischer aufgespalten – eine Gruppe von echsenähnlichen Lakertianern und eine Gruppe fledermausähnlicher, rundumguckender „Tetraps“ – und wieso sind diese so völlig inkompetent in allen, was sie tun?

Mel entscheidet sich, sich der Rebellenfraktion der Lakertianern anzuschließen, der Doctor trifft unter dessen auf Einstein und der Zuschauer wünscht sich unbewusst einen etwas zügigeren Plot. Und eine neue Begleiterin, die weniger herumkreischt*.

* Ein Wunsch, der nur wenige Folgen später erfüllt wird und mit Ace eine der beliebtesten Companions überhaupt bekommt.

★★★☆☆

– Eine etwas holperige Anfangsepisode, gerade die Regeneration am Anfang hätte etwas mehr Mühe vertragen können, aber die Nostalgie und das tolle Intro machen vieles wett.

Die Umsetzung als deutsche DVD-Box

Die erste Staffel des siebten Doctors, bzw. die 24. Staffel von Doctor Who insgesamt, jetzt auf DVD überall erhältlich, Bild: Pandavision/BBC Germany
Die erste Staffel des siebten Doctors, bzw. die 24. Staffel von Doctor Who insgesamt, jetzt auf DVD überall erhältlich, Bild: Pandavision/BBC Germany

Im Gegensatz zu den UK-DVD, die jeweils nur einzelne Serials veröffentlichen, hat Pandavision sich zu einer staffelweisen Veröffentlichung entschlossen (was sehr viel freundlicher für den Geldbeutel ist). Bereits jetzt ist auch die Veröffentlichung weiterer Staffeln, für die deutsche Synchronfassungen vorliegt, in den nächsten Monaten angekündigt.

Den „Zeitwanderern“* sei Dank, hat dies aber keinen negativen Einfluss auf die Extras, die auf den DVD-Scheiben vorhanden sind. Diese sind umfangreich und konsequent komplett in deutsch und sogar in englisch optional untertitelt – großes Lob! Sogar PDF der Vorschauen der britischen Programmzeitschrift „Radio Times“ auf die Folgen sind jeweils vorhanden und am Computer anschaubar.

* So die etwas putzige deutsche Übersetzung des „Timelord“. In der neuen Serie ab 2005 wurde in deutschen Synchronisation meist der Originaltitel verwendet meines Wissens nach, in dem Fernsehfilm von 1996 sogar angeblich „Herren der Zeit“ (Quelle).

Insgesamt umfasst das Bonusmaterial aller vier DVD allein fast sechs Stunden und bietet neben Deleted und Extended Scenes auch viele Featurettes mit vielen Hintergrundinfos und Interviews.

Das 4-Disc-Set erscheint im Hochglanzschuber am 28.11.2014 in Deutschland, FSK 12 erscheint mir zwar maßlos übertrieben, allerdings war dies vermutlich etwas leichter zu bekommen. Neben den vier Folgen „Terror auf Lakertia“ enthält die Box noch zehn weitere Episoden (bzw. drei weitere Serials) und ein liebevoll gemachtes Fan-Booklet.

★★★★★

– Die Extras und Aufmachung könnten besser nicht sein und stehen in nichts dem UK-Original nach. Allein dafür deutliche Kaufempfehlung von meiner Seite.

Hinweise

In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit habe ich leider noch nicht alle vier Serials komplett schauen können – die Rezensionen dazu sowie die Gesamtbewertung der Box werde ich aber hier nachholen.

Ach ja: Mehr Infos zum siebten Doctor wie auch zu allen weiteren Doctors zum Nachhören liefern meine Kollegen Sandra und Jens vom Ausgespielt-Podcast.

Offenlegung: Ich habe die Box freundlicherweise bereits etwa eine Woche vor der Veröffentlichung als Rezensionsexemplar erhalten.