FFFN 2012: „Chronicle“

Andrew hat sich eine alte Videokamera angeschafft und dokumentiert nun sein „tristes Leben“. Das hat in der Tat nicht viel zu bieten – an der Schule ist er chronischer Außenseiter, sein Vater lebt seit einem Unfall nur noch Zuhause vom Alkohol und seine Mutter ist sterbenskrank. Dennoch lässt er sich von seinem Cousin Matt dazu animieren auf eine Party zu fahren – und dort werden beide von Steve aufgefordert, sich ein seltsames Loch in der Nähe anzugucken. In diesem finden sie etwas seltsames, glühendes – und am nächsten Tag haben alle drei telekinetische Kräfte.

Superhelden-Filme gibt es viele, auch diese Origin-Geschichte ist nicht sonderlich originell sondern nur eine leichte Variation vieler alter Themen. Der Film stellt dann auch erwartungsgemäß die Frage, was High-School-Teenager, denen solche große Macht gegeben wird, mit eben dieser anstellen. Und natürlich eskaliert irgendwann alles, bis es zum großen Showdown mitten in Seattle kommt.

Nervig an dem Film ist die Idee, ihn komplett aus Fake-Found-Footage zusammenzusetzen. Ähnlich wie bei „Blair Witch Project“, „Cloverfield“ oder „Troll Hunter“ ist der gesamte Film aus Material, das aus mehreren Kameras geborgen wurde, zusammengesetzt. Das wirkt am Anfang noch charmant, wird irgendwann aber unglaubwürdig („Du hast mich gerettet. Und auch noch die Kamera. Wow!“) und letztlich lästig. Irgendwann müssen alle Nebencharaktere immer eine HD-Kamera gezückt haben, damit das Actiontreiben noch „zufällig“ eingefangen werden konnte.

Von diesem Problem abgesehen, ist der Film insgesamt sehr unterhaltsam. Er hält sich nicht zu lange an einzelnen Punkten auf und findet sehr schnell seinen Fokus auf die Action. Die drei Jungdarsteller schaffen es, den Film gut zu tragen und ihre Charaktere glaubwürdig agieren zu lassen. Hätte der Film dann nicht die besten Szenen bereits in seinen Trailern verheizt, könnte man ihn sicher empfehlen – so kann er aber seinem eigenen Hype nicht mehr gerecht werden.

„Chronicle“ („Chronicle – Wozu bist du fähig?“, USA 2012)

Regie: Josh Trank

Darsteller: Dane DeHaanAlex RussellMichael B. Jordan

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Mittel. Ein paar nette Ideen für das „Mit großer Macht kommt große Verantwortungs“-Dilemma, davon abgesehen ist der Film einfach nur nettes Popcorn-Kino.

Kommt er ins reguläre Kino? Ja, Anfang April bereits. In den USA lief er bereits ziemlich erfolgreich.

Was ist mit einer Fortsetzung? Ein zweiter Teil ist durchaus möglich, der Film hat bisher in den USA mehr als das fünffache seiner Produktionskosten eingespielt, trotz der Tatsache, dass er dort am Super-Bowl-Wochenende gestartet ist. Auch storytechnisch könnte man dort noch was herausholen – bisher ist aber nichts bekannt dazu geworden.

★★★★